{"id":357,"date":"2026-09-14T00:06:09","date_gmt":"2026-09-14T00:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/franzkafka.com.br\/acervo\/?p=357"},"modified":"2026-09-14T00:06:09","modified_gmt":"2026-09-14T00:06:09","slug":"der-dorfschullehrer-1914-1915","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/franzkafka.com.br\/acervo\/2026\/09\/14\/der-dorfschullehrer-1914-1915\/","title":{"rendered":"&#8220;Der Dorfschullehrer&#8221; (1914-1915)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diejenigen, ich geh\u00f6re zu ihnen, die schon einen kleinen gew\u00f6hnlichen Maulwurf widerlich finden, w\u00e4ren wahrscheinlich vom Widerwillen get\u00f6tet worden, wenn sie den Riesenmaulwurf gesehen h\u00e4tten, der vor einigen Jahren in der N\u00e4he eines kleinen Dorfes beobachtet worden ist, das dadurch eine gewisse vor\u00fcbergehende Ber\u00fchmtheit erlangt hat. Jetzt ist es allerdings schon l\u00e4ngst wieder in Vergessenheit geraten und teilt damit nur die Ruhmlosigkeit der ganzen Erscheinung, die vollst\u00e4ndig unerkl\u00e4rt geblieben ist, die man aber zu erkl\u00e4ren sich auch nicht sehr bem\u00fcht hat und die infolge einer unbegreiflichen Nachl\u00e4ssigkeit jener Kreise, die sich darum h\u00e4tten k\u00fcmmern sollen und die sich tats\u00e4chlich angestrengt um viel geringf\u00fcgigere Dinge k\u00fcmmern, ohne genauere Untersuchung vergessen worden ist. Darin da\u00df das Dorf weit von der Eisenbahn abliegt, kann jedenfalls keine Entschuldigung daf\u00fcr gefunden werden, viele Leute kamen aus Neugierde von weither, sogar aus dem Ausland, nur diejenigen die mehr als Neugierde h\u00e4tten zeigen sollen, die kamen nicht. Ja, h\u00e4tten nicht einzelne ganz einfache Leute, Leute, deren gew\u00f6hnliche Tagesarbeit ihnen kaum ein ruhiges Aufatmen gestattete, h\u00e4tten nicht diese Leute uneigenn\u00fctzig sich der Sache angenommen, das Ger\u00fccht von der Erscheinung w\u00e4re wahrscheinlich kaum \u00fcber den n\u00e4chsten Umkreis hinausgekommen. Es mu\u00df zugegeben werden, da\u00df selbst das Ger\u00fccht, das sich doch sonst kaum aufhalten l\u00e4\u00dft, in diesem Falle geradezu schwerf\u00e4llig war, h\u00e4tte man es nicht f\u00f6rmlich gesto\u00dfen, es h\u00e4tte sich nicht verbreitet. Aber auch das war gewi\u00df kein Grund sich mit der Sache nicht zu besch\u00e4ftigen, im Gegenteil, auch diese Erscheinung h\u00e4tte noch untersucht werden m\u00fcssen. Statt dessen \u00fcberlie\u00df man die einzige schriftliche Behandlung des Falles dem alten Dorflehrer, der zwar ein ausgezeichneter Mann in seinem Berufe war, aber dessen F\u00e4higkeiten ebenso wenig wie seine Vorbildung es ihm erm\u00f6glichten, eine gr\u00fcndliche und weiterhin verwertbare Beschreibung geschweige denn eine Erkl\u00e4rung zu liefern. Die kleine Schrift wurde gedruckt und an die damaligen Besucher des Dorfes viel verkauft, sie fand auch einige Anerkennung, aber der Lehrer war klug genug einzusehn, da\u00df seine vereinzelten von niemand unterst\u00fctzten Bem\u00fchungen im Grunde wertlos waren. Wenn er dennoch in ihnen nicht nachlie\u00df und die Sache, trotzdem sie ihrer Natur nach von Jahr zu Jahr verzweifelter wurde, zu seiner Lebensaufgabe machte, so beweist dies einerseits wie gro\u00df die Wirkung war welche die Erscheinung aus\u00fcben konnte und andererseits welche Ausdauer und \u00dcberzeugungstreue sich in einem alten unbeachteten Dorflehrer vorfinden kann. Da\u00df er aber unter der abweisenden Haltung der ma\u00dfgebenden Pers\u00f6nlichkeiten schwer gelitten hat, beweist ein kleiner Nachtrag, den er seiner Schrift folgen lie\u00df, allerdings erst nach einigen Jahren, also zu einer Zeit, als sich kaum jemand mehr erinnern konnte, um was es sich hier gehandelt hatte. In diesem Nachtrag f\u00fchrt er vielleicht nicht durch Geschicklichkeit aber durch Ehrlichkeit \u00fcberzeugend Klage \u00fcber die Verst\u00e4ndnislosigkeit, die ihm bei Leuten begegnet ist, wo man sie am wenigsten h\u00e4tte erwarten sollen. Von diesen Leuten sagt er treffend: &#8220;Nicht ich, aber sie reden wie alte Dorflehrer. &#8221; Und er f\u00fchrt unter anderem den Ausspruch eines Gelehrten an, zu dem er eigens in seiner Sache gefahren ist. Der Name des Gelehrten ist nicht genannt aber aus verschiedenen Nebenumst\u00e4nden l\u00e4\u00dft sich erraten, wer es gewesen ist. Nachdem der Lehrer gro\u00dfe Schwierigkeiten \u00fcberwunden hatte, um bei dem Gelehrten, bei dem er sich wochenlang vorher angemeldet hatte, \u00fcberhaupt Einla\u00df zu erlangen, merkte er schon bei der Begr\u00fc\u00dfung, da\u00df der Gelehrte in einem un\u00fcberwindbaren Vorurteil inbetreff seiner Sache befangen war. In welcher Zerstreutheit er dem langen Bericht des Lehrers zuh\u00f6rte, den dieser an der Hand seiner Schrift erstattete, zeigte sich in der Bemerkung, die er nach einiger scheinbarer \u00dcberlegung machte. &#8220;Gewi\u00df es gibt verschiedene Maulw\u00fcrfe, kleine und gro\u00dfe. Die Erde ist doch in ihrer Gegend besonders schwarz und schwer. Nun, sie gibt deshalb auch den Maulw\u00fcrfen besonders fette Nahrung und sie werden ungew\u00f6hnlich gro\u00df.&#8221; &#8220;Aber so gro\u00df doch nicht&#8221;, rief der Lehrer und ma\u00df, in seiner Wut ein wenig \u00fcbertreibend, zwei Meter an der Wand ab. &#8220;0 doch&#8221;, antwortete der Gelehrte, dem das Ganze offenbar sehr spa\u00dfhaft vorkam, &#8220;warum denn nicht&#8221; Mit diesem Bescheide fuhr der Lehrer nachhause zur\u00fcck. Er erz\u00e4hlt, wie ihn am Abend im Schneefall auf der Landstra\u00dfe seine Frau und seine sechs Kinder erwartet h\u00e4tten und wie er ihnen das endgiltige Mi\u00dflingen seiner Hoffnungen bekennen mu\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich von dem Verhalten des Gelehrten gegen\u00fcber dem Lehrer las, kannte ich noch gar nicht die Hauptschrift des Lehrers. Aber ich entschlo\u00df mich sofort, alles was ich \u00fcber den Fall in Erfahrung bringen konnte, selbst zu sammeln und zusammenzustellen. Da ich dem Gelehrten nicht die Faust vor das Gesicht halten konnte, sollte wenigstens meine Schrift den Lehrer verteidigen oder besser ausgedr\u00fcckt nicht so sehr den Lehrer, als die gute Absicht eines ehrlichen aber einflu\u00dflosen Mannes. Ich gestehe ich bereute sp\u00e4ter diesen Entschlu\u00df, denn ich f\u00fchlte bald, da\u00df seine Ausf\u00fchrung mich in eine sonderbare Lage bringen mu\u00dfte. Einerseits war auch mein Einflu\u00df beiweitem nicht hinreichend um den Gelehrten oder gar die \u00f6ffentliche Meinung zugunsten des Lehrers umzustimmen, andererseits aber mu\u00dfte der Lehrer merken, da\u00df mir an seiner Hauptabsicht, dem Nachweis der Erscheinung des gro\u00dfen Maulwurfes weniger lag, als an der Verteidigung seiner Ehrenhaftigkeit, die ihm wiederum selbstverst\u00e4ndlich und keiner Verteidigung bed\u00fcrftig schien. Es mu\u00dfte also dahin kommen, da\u00df ich, der ich mich dem Lehrer verbinden wollte, bei ihm kein Verst\u00e4ndnis fand, und wahrscheinlich statt zu helfen f\u00fcr mich einen neuen Helfer brauchen w\u00fcrde, dessen Auftreten wohl sehr unwahrscheinlich war. Au\u00dferdem b\u00fcrdete ich mir mit meinem Entschlu\u00df eine gro\u00dfe Arbeit auf. Wollte ich \u00fcberzeugen, so durfte ich mich nicht auf den Lehrer berufen, der ja nicht hatte \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Die Kenntnis seiner Schrift h\u00e4tte mich nur beirrt, und ich vermied es daher sie vor Beendigung meiner eigenen Arbeit zu lesen. Ja ich trat nicht einmal mit dem Lehrer in Verbindung. Allerdings erfuhr er durch Mittelspersonen von meinen Untersuchungen, aber er wu\u00dfte nicht ob ich in seinem Sinne arbeitete oder gegen ihn. Ja er vermutete wahrscheinlich sogar das Letztere, wenn er es sp\u00e4ter auch leugnete, denn ich habe Beweise dar\u00fcber, da\u00df er mir verschiedene Hindernisse in den Weg gelegt hat. Das konnte er sehr leicht, denn ich war ja gezwungen alle Untersuchungen, die er schon durchgef\u00fchrt hatte, nochmals vorzunehmen und er konnte mir daher immer zuvorkommen. Das war aber der einzige Vorwurf der meiner Methode mit Recht gemacht werden konnte, \u00fcbrigens ein unausweichlicher Vorwurf, der aber durch die Vorsicht, ja Selbstverleugnung meiner Schlu\u00dffolgerungen sehr entkr\u00e4ftet wurde. Sonst aber war meine Schrift von jeder Einflu\u00dfnahme des Lehrers frei, vielleicht hatte ich in diesem Punkte sogar allzu gro\u00dfe Peinlichkeit bewiesen, es war durchaus so, als h\u00e4tte bisher niemand den Fall untersucht, als w\u00e4re ich der erste der die Augen- und Ohrenzeugen verh\u00f6rte, der erste, der die Angaben aneinanderreihte, der erste, der Schl\u00fcsse zog. Als ich sp\u00e4ter die Schrift des Lehrers las \u2013 sie hatte einen sehr umst\u00e4ndlichen Titel: Ein Maulwurf, so gro\u00df, wie ihn noch niemand gesehen hat, \u2013 fand ich tats\u00e4chlich, da\u00df wir in wesentlichen Punkten nicht \u00fcbereinstimmten, wenn wir auch beide die Hauptsache, n\u00e4mlich die Existenz des Maulwurfes bewiesen zu haben glaubten. Immerhin verhinderten jene einzelnen Meinungsverschiedenheiten die Entstehung eines freundschaftlichen Verh\u00e4ltnisses zum Lehrer, das ich eigentlich trotz allem erwartet hatte. Es entwickelte sich fast eine gewisse Feindseligkeit von seiner Seite. Er blieb zwar immer bescheiden und dem\u00fctig mir gegen\u00fcber aber desto deutlicher konnte man seine wirkliche Stimmung merken. Er war n\u00e4mlich der Meinung, da\u00df ich ihm und der Sache durchaus geschadet habe und da\u00df mein Glaube, ich h\u00e4tte ihm gen\u00fctzt oder n\u00fctzen k\u00f6nnen, im besten Fall Einf\u00e4ltigkeit, wahrscheinlich aber Anma\u00dfung oder Hinterlist sei. Vor allem wies er \u00f6fters darauf hin, da\u00df alle seine bisherigen Gegner ihre Gegnerschaft \u00fcberhaupt nicht oder blo\u00df unter vier Augen oder wenigstens nur m\u00fcndlich gezeigt h\u00e4tten, w\u00e4hrend ich es f\u00fcr n\u00f6tig gehalten hatte, alle meine Aussetzungen sofort drucken zu lassen. Au\u00dferdem h\u00e4tten die wenigen Gegner, welche sich wirklich mit der Sache wenn auch nur oberfl\u00e4chlich besch\u00e4ftigt hatten, doch wenigstens seine, des Lehrers Meinung, also die hier ma\u00dfgebende Meinung angeh\u00f6rt, ehe sie sich selbst ge\u00e4u\u00dfert hatten, ich aber hatte aus unsystematisch gesammelten und zum Teil mi\u00dfverstandenen Angaben Ergebnisse hervorgebracht, die selbst wenn sie in der Hauptsache richtig waren, doch unglaubw\u00fcrdig wirken m\u00fc\u00dften undzwar sowohl auf die Menge als auch auf die Gebildeten. Der schw\u00e4chste Schein der Unglaubw\u00fcrdigkeit war aber das Schlimmste was hier geschehen konnte. Auf diese wenn auch verh\u00fcllt vorgebrachten Vorw\u00fcrfe h\u00e4tte ich ihm leicht antworten k\u00f6nnen \u2013 so stellte z. B. gerade seine Schrift wohl den H\u00f6hepunkt der Unglaubw\u00fcrdigkeit dar \u2013 weniger leicht aber war es gegen seinen sonstigen Verdacht anzuk\u00e4mpfen und dies war der Grund, warum ich mich \u00fcberhaupt im Ganzen ihm gegen\u00fcber sehr zur\u00fcckhielt. Er glaubte n\u00e4mlich im Geheimen, da\u00df ich ihn um den Ruhm hatte bringen wollen, der erste \u00f6ffentliche F\u00fcrsprecher des Maulwurfes zu sein. Nun war ja f\u00fcr seine Person gar kein Ruhm vorhanden, sondern nur eine L\u00e4cherlichkeit, die sich aber auch auf einen immer kleineren Kreis einschr\u00e4nkte und um die ich mich gewi\u00df nicht bewerben wollte. Au\u00dferdem aber hatte ich in der Einleitung zu meiner Schrift ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt, da\u00df der Lehrer f\u00fcr alle Zeiten als Entdecker des Maulwurfes zu gelten habe \u2013 der Entdecker war er aber nicht einmal \u2013 und da\u00df nur die Anteilnahme am Schicksal des Lehrers mich zur Abfassung der Schrift gedr\u00e4ngt habe. &#8220;Der Zweck dieser Schrift ist es, &#8221; \u2013 so schlo\u00df ich allzu pathetisch, aber es entsprach meiner damaligen Erregung \u2013 &#8220;der Schrift des Lehrers zur verdienten Verbreitung zu helfen. Gelingt dies, dann soll mein Name, der vor\u00fcbergehend und nur \u00e4u\u00dferlich in diese Angelegenheit verwickelt wird, sofort aus ihr gel\u00f6scht werden. &#8221; Ich wehrte also geradezu jede gr\u00f6\u00dfere Beteiligung an der Sache ab; es war fast, als h\u00e4tte ich irgendwie den unglaublichen Vorwurf des Lehrers vorausgeahnt. Trotzdem fand er gerade in dieser Stelle die Handhabe gegen mich und ich leugne nicht, da\u00df eine scheinbare Spur von Berechtigung in dem was er sagte, oder vielmehr andeutete, enthalten war, wie mir \u00fcberhaupt einigemal auffiel, da\u00df er in mancher Hinsicht mir gegen\u00fcber fast mehr Scharfsinn zeigte, als in seiner Schrift. Er behauptete n\u00e4mlich, meine Einleitung sei doppelz\u00fcngig. Wenn mir wirklich nur daran lag, seine Schrift zu verbreiten, warum befa\u00dfte ich mich nicht ausschlie\u00dflich mit ihm und seiner Schrift, warum zeigte ich nicht ihre Vorz\u00fcge, ihre Unwiderlegbarkeit, warum beschr\u00e4nkte ich mich nicht darauf die Bedeutung der Entdeckung hervorzuheben und begreiflich zu machen, warum dr\u00e4ngte ich mich vielmehr unter vollst\u00e4ndiger Vernachl\u00e4ssigung der Schrift in die Entdeckung selbst. War sie etwa nicht schon getan? Blieb etwa in dieser Hinsicht noch etwas zu tun \u00fcbrig? Wenn ich aber wirklich glaubte die Entdeckung noch einmal machen zu m\u00fcssen, warum sagte ich mich dann in der Einleitung von der Entdeckung so feierlich los. Das h\u00e4tte heuchlerische Bescheidenheit sein k\u00f6nnen, aber es war etwas \u00c4rgeres. Ich entwertete die Entdeckung, ich machte auf sie aufmerksam nur zu dem Zweck um sie zu entwerten, ich hatte sie erforscht und legte sie bei Seite, es war vielleicht rings um diese Sache ein wenig stiller geworden, ich machte nun wieder L\u00e4rm, machte aber gleichzeitig die Lage des Lehrers schwieriger als sie jemals gewesen war. Was bedeutete denn f\u00fcr den Lehrer die Verteidigung seiner Ehrenhaftigkeit. An der Sache, nur an der Sache lag ihm. Diese aber verriet ich weil ich sie nicht verstand, weil ich sie nicht richtig einsch\u00e4tzte, weil ich keinen Sinn f\u00fcr sie hatte. Sie gieng himmelhoch \u00fcber meinen Verstand hinaus. Er sa\u00df vor mir und sah mich mit seinem alten faltigen Gesicht ruhig an, und doch war nur dieses seine Meinung. Allerdings war es nicht richtig, da\u00df ihm nur an der Sache lag, er war sogar recht ehrgeizig und wollte auch Geldgewinn, was mit R\u00fccksicht auf seine zahlreiche Familie sehr begreiflich war, trotzdem schien ihm mein Interesse an der Sache vergleichsweise so gering, da\u00df er glaubte sich f\u00fcr vollst\u00e4ndig uneigenn\u00fctzig hinstellen zu d\u00fcrfen ohne eine allzugro\u00dfe Unwahrheit zu sagen. Und es gen\u00fcgte tats\u00e4chlich nicht einmal f\u00fcr meine innere Befriedigung, wenn ich mir sagte, da\u00df die Vorw\u00fcrfe des Mannes im Grunde nur darauf zur\u00fcckgehn, da\u00df er gewisserma\u00dfen seinen Maulwurf mit beiden H\u00e4nden festh\u00e4lt und jeden, der ihm nur mit dem Finger nahe kommen will einen Verr\u00e4ter nennt. Es war nicht so, sein Verhalten war nicht durch Geiz, wenigstens nicht durch Geiz allein zu erkl\u00e4ren, eher durch die Gereiztheit, welche seine gro\u00dfen Anstrengungen und deren vollst\u00e4ndige Erfolglosigkeit in ihm hervorgerufen hatte. Aber auch die Gereiztheit erkl\u00e4rte nicht alles. Vielleicht war mein Interesse an der Sache wirklich zu gering, an Fremden war f\u00fcr den Lehrer Interesselosigkeit schon etwas gew\u00f6hnliches, er litt darunter im allgemeinen, aber nicht mehr im Einzelnen, hier aber hatte sich endlich einer gefunden, der sich der Sache in au\u00dferordentlicher Weise annahm, und selbst dieser begriff die Sache nicht. Einmal in diese Richtung gedr\u00e4ngt wollte ich gar nicht leugnen. Ich bin kein Zoologe, vielleicht h\u00e4tte ich mich f\u00fcr diesen Fall wenn ich ihn selbst entdeckt h\u00e4tte, bis auf den Herzensgrund ereifert, aber ich hatte ihn doch nicht entdeckt. Ein so riesengro\u00dfer Maulwurf ist gewi\u00df eine Merkw\u00fcrdigkeit, aber die dauernde Aufmerksamkeit der ganzen Welt darf man nicht daf\u00fcr verlangen, besonders wenn die Existenz des Maulwurfes nicht vollst\u00e4ndig einwandfrei festgestellt ist und man ihn jedenfalls nicht vorf\u00fchren kann. Und ich gestand auch ein, da\u00df ich mich wahrscheinlich f\u00fcr den Maulwurf, selbst wenn ich der Entdecker gewesen w\u00e4re, niemals so eingesetzt h\u00e4tte, wie ich es f\u00fcr den Lehrer gern und freiwillig tat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun h\u00e4tte sich wahrscheinlich die Nicht\u00fcbereinstimmung zwischen mir und dem Lehrer bald aufgel\u00f6st, wenn meine Schrift Erfolg gehabt h\u00e4tte. Aber gerade dieser Erfolg blieb aus. Vielleicht war sie nicht gut, nicht \u00fcberzeugend genug geschrieben, ich bin Kaufmann, die Abfassung einer solchen Schrift geht vielleicht \u00fcber den mir gesetzten Kreis noch weiter hinaus als dies beim Lehrer der Fall war, trotzdem ich allerdings in allen hief\u00fcr n\u00f6tigen Kenntnissen den Lehrer bei weitem \u00fcbertraf. Auch lie\u00df sich der Mi\u00dferfolg noch anders deuten, der Zeitpunkt des Erscheinens war vielleicht ung\u00fcnstig. Die Entdeckung des Maulwurfes, die nicht hatte durchdringen k\u00f6nnen, lag einerseits noch nicht so weit zur\u00fcck, als da\u00df man sie vollst\u00e4ndig vergessen h\u00e4tte und durch meine Schrift also etwa \u00fcberrascht worden w\u00e4re, andererseits aber war genug Zeit vergangen, um das geringe Interesse, das urspr\u00fcnglich vorhanden gewesen war, g\u00e4nzlich zu ersch\u00f6pfen. Jene, die sich \u00fcberhaupt \u00fcber meine Schrift Gedanken machten, sagten sich mit einer Art Trostlosigkeit, die schon vor Jahren diese Diskussion beherrscht hatte, da\u00df nun wohl wieder die nutzlosen Anstrengungen f\u00fcr diese \u00f6de Sache beginnen sollen und manche verwechselten sogar meine Schrift mit der des Lehrers. In einer f\u00fchrenden landwirtschaftlichen Zeitschrift fand sich folgende Bemerkung, gl\u00fccklicher Weise nur zum Schlu\u00df und klein gedruckt: &#8220;Die Schrift \u00fcber den Riesenmaulwurf ist uns wieder zugeschickt worden. Wir erinnern uns, schon einmal vor Jahren \u00fcber sie herzlich gelacht zu haben. Sie ist seitdem nicht kl\u00fcger geworden und wir nicht d\u00fcmmer. Blo\u00df lachen k\u00f6nnen wir nicht zum zweitenmal. Dagegen fragen wir unsere Lehrervereinigungen, ob ein Dorfschullehrer nicht n\u00fctzlichere Arbeit finden kann, als Riesenmaulw\u00fcrfen nachzujagen. &#8221; Eine unverzeihliche Verwechslung! Man hatte weder die erste noch die zweite Schrift gelesen und die zwei armseligen in der Eile aufgeschnappten Worte Riesenmaulwurf und Dorfschullehrer gen\u00fcgten schon den Herren, um sich als Vertreter anerkannter Interessen in Szene zu setzen. Dagegen h\u00e4tte gewi\u00df verschiedenes mit Erfolg unternommen werden k\u00f6nnen, aber die mangelnde Verst\u00e4ndigung mit dem Lehrer hielt mich davon ab. Ich versuchte vielmehr die Zeitschrift vor ihm geheim zu halten, so lange es nur m\u00f6glich war. Aber er entdeckte sie sehr bald, ich erkannte es schon aus einer Bemerkung eines Briefes, in dem er mir seinen Besuch f\u00fcr die Weihnachtsfeiertage in Aussicht stellte. Er schrieb dort: &#8220;Die Welt ist schlecht und man macht es ihr leicht&#8221;, womit er ausdr\u00fccken wollte, da\u00df ich zu der schlechten Welt geh\u00f6re, mich aber mit der mir innewohnenden Schlechtigkeit nicht begn\u00fcge, sondern es der Welt auch noch leicht mache d.h. t\u00e4tig bin, um die allgemeine Schlechtigkeit hervorzulocken und ihr zum Sieg zu verhelfen. Nun ich hatte schon die n\u00f6tigen Entschl\u00fcsse gefa\u00dft, konnte ihn ruhig erwarten und ruhig zusehn wie er ankam, sogar weniger h\u00f6flich gr\u00fc\u00dfte als sonst, sich stumm mir gegen\u00fcber setzte, sorgf\u00e4ltig aus der Brusttasche seines eigent\u00fcmlich wattierten Rockes die Zeitschrift hervorzog und sie aufgeschlagen vor mich hinschob. &#8220;Ich kenne es&#8221;, sagte ich und schob die Zeitschrift ungelesen wieder zur\u00fcck. &#8220;Sie kennen es&#8221;, sagte er seufzend, er hatte die alte Lehrergewohnheit fremde Antworten zu wiederholen. &#8220;Ich werde das nat\u00fcrlich nicht ohne Abwehr hinnehmen&#8221;, fuhr er fort, tippte aufgeregt mit dem Finger auf die Zeitschrift und sah mich dabei scharf an, als w\u00e4re ich der entgegengesetzten Meinung; eine Ahnung dessen, was ich sagen wollte, hatte er wohl; ich habe auch sonst nicht so sehr aus seinen Worten, als aus sonstigen Zeichen zu bemerken geglaubt, da\u00df er oft eine sehr richtige Empfindung f\u00fcr meine Absichten hatte, ihr aber nicht nachgab und sich ablenken lie\u00df. Das was ich ihm damals sagte, kann ich fast wortgetreu wiedergeben, da ich es kurz nach der Unterredung notiert habe. &#8220;Tut was Ihr wollt&#8221;, sagte ich, &#8220;unsere Wege scheiden sich von heute ab. Ich glaube da\u00df es Euch weder unerwartet noch ungelegen kommt. Die Notiz hier in der Zeitschrift ist nicht die Ursache meines Entschlusses, sie hat ihn blo\u00df endgiltig befestigt. Die eigentliche Ursache liegt darin, da\u00df ich urspr\u00fcnglich glaubte Euch durch mein Auftreten n\u00fctzen zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend ich jetzt sehen mu\u00df da\u00df ich Euch in jeder Richtung geschadet habe. Warum es sich so gewendet hat, wei\u00df ich nicht, die Gr\u00fcnde f\u00fcr Erfolg und Mi\u00dferfolg sind immer vieldeutig, sucht nicht nur jene Deutungen hervor, die gegen mich sprechen. Denkt an Euch, auch Ihr hattet die besten Absichten und doch Mi\u00dferfolg, wenn man das Ganze ins Auge fa\u00dft. Ich meine es nicht im Scherz, es geht ja gegen mich selbst, wenn ich sage, da\u00df auch die Verbindung mit mir leider zu Eueren Mi\u00dferfolgen z\u00e4hlt. Da\u00df ich mich jetzt von der Sache zur\u00fcckziehe, ist weder Feigheit noch Verrat. Es geschieht sogar nicht ohne Selbst\u00fcberwindung; wie sehr ich Euere Person achte, geht schon aus meiner Schrift hervor, Ihr seid mir in gewisser Hinsicht ein Lehrer geworden und sogar der Maulwurf wurde mir fast lieb. Trotzdem trete ich bei Seite, Ihr seid der Entdecker und wie ich es auch anstellen wollte, ich hindere immer da\u00df der m\u00f6gliche Ruhm Euch trifft, w\u00e4hrend ich den Mi\u00dferfolg anziehe und auf Euch weiterleite. Wenigstens ist dies Euere Meinung. Genug davon. Die einzige Bu\u00dfe, die ich auf mich nehmen kann ist, da\u00df ich Euch um Verzeihung bitte und wenn Ihr es verlangt das Gest\u00e4ndnis, das ich Euch hier gemacht habe, auch \u00f6ffentlich z. B. in dieser Zeitschrift wiederhole.&#8221; Das waren damals meine Worte, sie waren nicht ganz aufrichtig, aber das Aufrichtige war ihnen leicht zu entnehmen. Es wirkte auf ihn so, wie ich es ungef\u00e4hr erwartet hatte. Die meisten alten Leute haben J\u00fcngern gegen\u00fcber etwas T\u00e4uschendes, etwas L\u00fcgnerisches in ihrem Wesen, man lebt ruhig neben ihnen fort, glaubt das Verh\u00e4ltnis gesichert, kennt die vorherrschenden Meinungen, bekommt fortw\u00e4hrend Best\u00e4tigungen des Friedens, h\u00e4lt alles f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich und pl\u00f6tzlich wenn sich etwas Entscheidendes ereignet und die solange vorbereitete Ruhe wirken sollte, erheben sich diese alten Leute wie Fremde, haben tiefere, st\u00e4rkere Meinungen, entfalten f\u00f6rmlich jetzt erst ihre Fahne und man liest darauf mit Schrecken den neuen Spruch. Dieser Schrecken stammt vor allem daher, weil das, was die Alten jetzt sagen, wirklich viel berechtigter, sinnvoller und als ob es eine Steigerung des Selbstverst\u00e4ndlichen g\u00e4be noch selbstverst\u00e4ndlicher ist. Das un\u00fcbertrefflich L\u00fcgnerische daran aber ist, da\u00df sie das, was sie jetzt sagen, im Grunde immer gesagt haben und da\u00df es eben doch im Allgemeinen nie vorauszusehen war. Ich mu\u00dfte mich tief in diesen Dorfschullehrer eingebohrt haben, da\u00df er mich jetzt nicht ganz \u00fcberraschte. &#8220;Kind&#8221;, sagte er, legte seine Hand auf die meine und rieb sie freundschaftlich, &#8220;wie kamt Ihr denn \u00fcberhaupt auf den Gedanken Euch auf diese Sache einzulassen. Gleich als ich zum ersten Mal davon h\u00f6rte, sprach ich mit meiner Frau dar\u00fcber. &#8221; Er r\u00fcckte vom Tische ab, breitete die Arme aus und blickte zu Boden, als stehe dort unten winzig seine Frau und er spreche mit ihr. &#8220;&gt;So viele Jahre&lt;, sagte ich zu ihr, &gt;k\u00e4mpfen wir allein, jetzt aber scheint in der Stadt ein hoher G\u00f6nner f\u00fcr uns einzutreten, ein st\u00e4dtischer Kaufmann, namens so und so. Jetzt sollten wir uns doch sehr freuen, nicht? Ein Kaufmann in der Stadt bedeutet nicht wenig, wenn ein lumpiger Bauer uns glaubt und es ausspricht, so kann uns das nichts helfen, denn was ein Bauer macht, ist immer unanst\u00e4ndig, ob er nun sagt: Der alte Dorfschullehrer hat recht oder ob er etwa unpassender Weise ausspuckt, beides ist in der Wirkung einander gleich. Und stehn statt des einen Bauern zehntausend Bauern auf, so ist die Wirkung wom\u00f6glich noch schlechter. Ein Kaufmann in der Stadt ist dagegen etwas anderes, ein solcher Mann hat Verbindungen, selbst das was er nur nebenbei sagt, spricht sich in weitern Kreisen herum, neue G\u00f6nner nehmen sich der Sache an, einer sagt z. B.: Auch von Dorfschullehrern kann man lernen, und am n\u00e4chsten Tag fl\u00fcstern es sich schon eine Menge von Leuten zu, von denen man es nach ihrem \u00c4u\u00dfern zu schlie\u00dfen niemals annehmen w\u00fcrde. Jetzt finden sich Geldmittel f\u00fcr die Sache, einer sammelt und die andern z\u00e4hlen ihm das Geld in die Hand, man meint, der Dorfschullehrer m\u00fcsse aus dem Dorf hervorgeholt werden, man kommt, k\u00fcmmert sich nicht um sein Aussehn, nimmt ihn in die Mitte und da sich die Frau und die Kinder an ihn h\u00e4ngen, nimmt man auch sie mit. Hast Du schon Leute aus der Stadt beobachtet? Das zwitschert unaufh\u00f6rlich. Ist eine Reihe von ihnen beisammen so geht das Zwitschern von rechts nach links und wieder zur\u00fcck und auf und ab. Und so heben sie uns zwitschernd in den Wagen, man hat kaum Zeit allen zuzunicken. Der Herr auf dem Kutschbock r\u00fcckt seinen Zwicker zurecht, schwingt die Peitsche und wir fahren. Alle winken zum Abschied dem Dorfe zu, so als ob wir noch dort w\u00e4ren und nicht mitten unter ihnen s\u00e4\u00dfen. Aus der Stadt kommen einige Wagen mit besonders Ungeduldigen uns entgegen. Als wir uns n\u00e4hern, stehen sie von ihren Sitzen auf und strecken sich, um uns zu sehn. Der welcher das Geld gesammelt hat ordnet alles und ermahnt zur Ruhe. Es ist schon eine gro\u00dfe Wagenreihe als wir in die Stadt einfahren. Wir haben geglaubt, da\u00df die Begr\u00fc\u00dfung schon vor\u00fcber ist, aber nun vor dem Gasthof beginnt sie erst. In der Stadt sammeln sich eben auf einen Anruf gleich sehr viele Leute an. Um was sich der eine k\u00fcmmert, k\u00fcmmert sich gleich auch der andere. Sie nehmen einander mit ihrem Atem die Meinungen weg und eignen sich sie an. Nicht alle diese Leute k\u00f6nnen mit den Wagen fahren, sie warten vor dem Gasthof. Andere k\u00f6nnten zwar fahren, aber sie tun es aus Selbstbewu\u00dftsein nicht. Auch diese warten. Es ist unbegreiflich wie der welcher das Geld gesammelt hat, den \u00dcberblick \u00fcber alle beh\u00e4lt.&#8221;&lt;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte ihm ruhig zugeh\u00f6rt, ja ich war w\u00e4hrend der Rede immer ruhiger geworden. Auf dem Tisch hatte ich alle Exemplare meiner Schrift, soviele ich ihrer noch besa\u00df aufgeh\u00e4uft. Es fehlten nur sehr wenige, denn ich hatte in der letzten Zeit durch ein Rundschreiben alle ausgeschickten Exemplare zur\u00fcckgefordert und hatte auch die meisten erhalten. Von vielen Seiten war mir \u00fcbrigens sehr h\u00f6flich geschrieben worden, da\u00df man sich gar nicht erinnere eine solche Schrift erhalten zu haben und da\u00df man sie, wenn sie etwa doch gekommen sein sollte, bedauerlicher Weise verloren haben m\u00fcsse. Auch so war es richtig, ich wollte im Grunde nichts anderes. Nur einer bat mich, die Schrift als Kuriosum behalten zu d\u00fcrfen und verpflichtete sich sie im Sinne meines Rundschreibens w\u00e4hrend der n\u00e4chsten zwanzig Jahre niemandem zu zeigen. Dieses Rundschreiben hatte der Dorfschullehrer noch gar nicht gesehn, ich freute mich, da\u00df seine Worte es mir so leicht machten es ihm zu zeigen. Ich konnte dies aber auch sonst ohne Sorge tun weil ich bei der Abfassung sehr vorsichtig vorgegangen war und das Interesse des Dorfschullehrers und seiner Sache niemals au\u00dfer Acht gelassen hatte. Die Haupts\u00e4tze des Schreibens lauteten n\u00e4mlich: &#8220;Ich bitte nicht deshalb um R\u00fcckgabe der Schrift, weil ich etwa von den in der Schrift vertretenen Meinungen abgekommen bin oder sie vielleicht in einzelnen Teilen als irrig oder auch nur als unbeweisbar ansehn w\u00fcrde. Meine Bitte hat lediglich pers\u00f6nliche, allerdings sehr zwingende Gr\u00fcnde, auf meine Stellung zur Sache l\u00e4\u00dft sie jedoch nicht die allergeringsten R\u00fcckschl\u00fcsse zu, ich bitte dies besonders zu beachten und wenn es beliebt auch zu verbreiten. &#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorl\u00e4ufig hielt ich dieses Rundschreiben noch mit den H\u00e4nden verdeckt und sagte: &#8220;Wollt Ihr mir Vorw\u00fcrfe machen weil es nicht so gekommen ist Warum wollt Ihr das tun? Verbittern wir uns doch nicht das Auseinandergehn. Und versucht endlich einzusehn, da\u00df Ihr zwar eine Entdeckung gemacht habt, da\u00df aber diese Entdeckung nicht etwa alles andere \u00fcberragt und da\u00df infolge dessen auch das Unrecht das Euch geschieht nicht ein alles andere \u00fcberragendes Unrecht ist. Ich kenne nicht die Satzungen der gelehrten Gesellschaften aber ich glaube nicht da\u00df Euch selbst im g\u00fcnstigsten Falle ein Empfang bereitet worden w\u00e4re, der nur ann\u00e4hernd an jenen herangereicht h\u00e4tte, wie Ihr ihn vielleicht Euerer armen Frau beschrieben habt. Wenn ich selbst etwas von der Wirkung der Schrift erhoffte, so glaubte ich, da\u00df vielleicht ein Professor auf Eueren Fall aufmerksam gemacht werden k\u00f6nnte, da\u00df er irgendeinen jungen Studenten beauftragen w\u00fcrde der Sache nachzugehn, da\u00df dieser Student zu Euch fahren und dort Euere und meine Untersuchungen nochmals in seiner Weise \u00fcberpr\u00fcfen w\u00fcrde und da\u00df er schlie\u00dflich, wenn ihm das Ergebnis erw\u00e4hnenswert schiene, \u2013 hier ist festzuhalten, da\u00df alle jungen Studenten voll Zweifel sind \u2013 da\u00df er dann eine eigene Schrift herausgeben w\u00fcrde, in welcher das, was Ihr beschrieben habt, wissenschaftlich begr\u00fcndet w\u00e4re. Jedoch selbst dann wenn sich diese Hoffnung erf\u00fcllt h\u00e4tte, w\u00e4re noch nicht viel erreicht gewesen. Die Schrift des Studenten, die einen so sonderbaren Fall verteidigt h\u00e4tte, w\u00e4re vielleicht l\u00e4cherlich gemacht worden. Ihr seht hier an dem Beispiel der landwirtschaftlichen Zeitschrift wie leicht das geschehen kann, und wissenschaftliche Zeitschriften sind in dieser Hinsicht noch r\u00fccksichtsloser. Es ist auch verst\u00e4ndlich, die Professoren tragen viel Verantwortung vor sich, vor der Wissenschaft, vor der Nachwelt, sie k\u00f6nnen sich nicht jeder neuen Entdeckung gleich an die Brust werfen. Wir andern sind ihnen gegen\u00fcber darin im Vorteil. Aber ich sehe von dem ab und will jetzt annehmen da\u00df die Schrift des Studenten sich durchgesetzt h\u00e4tte. Was w\u00e4re dann geschehn? Euer Name w\u00e4re wohl einigemal in Ehren genannt worden, es h\u00e4tte wahrscheinlich auch Euerem Stand gen\u00fctzt, man h\u00e4tte gesagt: &gt;Unsere Dorfschullehrer haben offene Augen&lt; und die Zeitschrift hier h\u00e4tte, wenn Zeitschriften Ged\u00e4chtnis und Gewissen h\u00e4tten, Euch \u00f6ffentlich abbitten m\u00fcssen, es h\u00e4tte sich dann auch ein wohlwollender Professor gefunden, um ein Stipendium f\u00fcr Euch zu erwirken, es ist auch wirklich m\u00f6glich da\u00df man versucht h\u00e4tte, Euch in die Stadt zu ziehn, Euch eine Stelle an einer st\u00e4dtischen Volksschule zu verschaffen und Euch so Gelegenheit zu geben, die wissenschaftlichen Hilfsmittel, welche die Stadt bietet, f\u00fcr Euere weitere Ausbildung zu verwerten. Wenn ich aber offen sein soll, so mu\u00df ich sagen, ich glaube man h\u00e4tte es nur versucht. Man h\u00e4tte Euch hierherberufen, Ihr w\u00e4ret auch gekommen undzwar als gew\u00f6hnlicher Bittsteller wie es hunderte gibt ohne allen festlichen Empfang, man h\u00e4tte mit Euch gesprochen, h\u00e4tte Euer ehrliches Streben anerkannt, h\u00e4tte aber doch auch gleichzeitig gesehn, da\u00df Ihr ein alter Mann seid, da\u00df in diesem Alter der Beginn eines wissenschaftlichen Studiums aussichtslos ist und da\u00df Ihr vor allem mehr zuf\u00e4llig als planm\u00e4\u00dfig zu Euerer Entdeckung gelangt seid und \u00fcber diesen Einzelfall hinaus, nicht einmal weiter zu arbeiten beabsichtigt. Man h\u00e4tte Euch also aus diesen Gr\u00fcnden wohl im Dorf gelassen. Euere Entdeckung allerdings w\u00e4re weitergef\u00fchrt worden, denn so klein ist sie nicht, da\u00df sie, einmal zur Anerkennung gekommen, jemals vergessen werden k\u00f6nnte. Aber Ihr h\u00e4ttet nicht mehr viel von ihr erfahren und was Ihr erfahren h\u00e4ttet, h\u00e4ttet Ihr kaum verstanden. Jede Entdeckung wird gleich in die Gesamtheit der Wissenschaften geleitet und h\u00f6rt damit gewisserma\u00dfen auf Entdeckung zu sein, sie geht im Ganzen auf und verschwindet, man mu\u00df schon einen wissenschaftlich geschulten Blick haben, um sie dann noch zu erkennen. Sie wird gleich an Leits\u00e4tze gekn\u00fcpft von deren Dasein wir gar nicht geh\u00f6rt haben, und im wissenschaftlichen Streit wird sie an diesen Leits\u00e4tzen bis in die Wolken hinaufgerissen. Wie wollen wir das begreifen? Wenn wir einer solchen Diskussion zuh\u00f6ren, glauben wir z. B. einmal es handle sich um die Entdeckung aber unterdessen handelt es sich um ganz andere Dinge. &#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Nun gut&#8221;, sagte der Dorfschullehrer, nahm seine Pfeife heraus und begann sie mit dem Tabak zu stopfen, den er lose in allen Taschen mit sich trug, &#8220;Ihr habt Euch freiwillig der undankbaren Sache angenommen und tretet jetzt auch freiwillig zur\u00fcck. Es ist alles ganz richtig.&#8221; &#8220;Ich bin nicht starrk\u00f6pfig&#8221;, sagte ich. &#8220;Findet Ihr an meinem Vorschlag vielleicht etwas auszusetzen?&#8221; &#8220;Nein, gar nichts&#8221;, sagte der Dorfschullehrer und seine Pfeife dampfte schon. Ich vertrug den Geruch seines Tabaks nicht und stand deshalb auf und gieng im Zimmer um. Ich war es schon von fr\u00fcheren Besprechungen her gew\u00f6hnt, da\u00df der Dorfschullehrer mir gegen\u00fcber sehr schweigsam war und sich doch, wenn er einmal gekommen war, aus meinem Zimmer nicht fortr\u00fchren wollte. Es hatte mich schon manchmal sehr befremdet, er will noch etwas von mir, hatte ich dann immer gedacht und ihm Geld angeboten, das er auch regelm\u00e4\u00dfig annahm. Aber weggegangen war er immer erst dann, bis es ihm beliebte. Gew\u00f6hnlich war dann die Pfeife ausgeraucht, er schwenkte sich um den Sessel herum, den er ordentlich und respektvoll an den Tisch r\u00fcckte, griff nach seinem Knotenstock in der Ecke, dr\u00fcckte mir eifrig die Hand und gieng. Heute aber war mir sein schweigsames Dasitzen geradezu l\u00e4stig. Wenn man einmal jemandem den endg\u00fcltigen Abschied anbietet wie ich es getan hatte und dies vom andern als ganz richtig bezeichnet wird, dann f\u00fchrt man doch das wenige noch gemeinsam zu Erledigende m\u00f6glichst schnell zu Ende und b\u00fcrdet dem andern nicht zwecklos seine stumme Gegenwart auf. Wenn man den kleinen z\u00e4hen Alten von r\u00fcckw\u00e4rts ansah, wie er an meinem Tische sa\u00df, konnte man glauben, es werde \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich sein, ihn aus dem Zimmer hinauszubef\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diejenigen, ich geh\u00f6re zu ihnen, die schon einen kleinen gew\u00f6hnlichen Maulwurf widerlich finden, w\u00e4ren wahrscheinlich vom Widerwillen get\u00f6tet worden, wenn sie den Riesenmaulwurf gesehen h\u00e4tten, der vor einigen Jahren in der N\u00e4he eines kleinen Dorfes beobachtet worden ist, das dadurch eine gewisse vor\u00fcbergehende Ber\u00fchmtheit erlangt hat. 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