{"id":363,"date":"2026-09-14T00:07:13","date_gmt":"2026-09-14T00:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/franzkafka.com.br\/acervo\/?p=363"},"modified":"2026-09-14T00:11:18","modified_gmt":"2026-09-14T00:11:18","slug":"blumfeld-ein-alterer-junggeselle-1915","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/franzkafka.com.br\/acervo\/2026\/09\/14\/blumfeld-ein-alterer-junggeselle-1915\/","title":{"rendered":"Blumfeld ein \u00e4lterer Junggeselle (1915)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blumfeld ein \u00e4lterer Junggeselle stieg eines Abends zu seiner Wohnung hinauf, was eine m\u00fchselige Arbeit war, denn er wohnte im sechsten Stock. W\u00e4hrend des Hinaufsteigens dachte er, wie \u00f6fters in der letzten Zeit daran, da\u00df dieses vollst\u00e4ndig einsame Leben recht l\u00e4stig sei, da\u00df er jetzt diese sechs Stockwerke f\u00f6rmlich im Geheimen hinaufsteigen m\u00fcsse um oben in seinem leeren Zimmer anzukommen, dort wieder f\u00f6rmlich im Geheimen den Schlafrock anzuziehn, die Pfeife anzustecken, in der franz\u00f6sischen Zeitschrift, die er schon seit Jahren abonniert hatte, ein wenig zu lesen, dazu an einem von ihm selbst bereiteten Kirschenschnaps zu nippen und schlie\u00dflich nach einer halben Stunde zu Bett zu gehn, nicht, ohne vorher das Bettzeug vollst\u00e4ndig umordnen zu m\u00fcssen, das die jeder Belehrung unzug\u00e4ngliche Bedienerin immer nach ihrer Laune hinwarf. Irgend ein Begleiter, irgendein Zuschauer f\u00fcr diese T\u00e4tigkeiten w\u00e4re Blumfeld sehr willkommen gewesen. Er hatte schon \u00fcberlegt, ob er sich nicht einen kleinen Hund anschaffen solle. Ein solches Tier ist lustig und vor allem dankbar und treu; ein Kollege von Blumfeld hat einen solchen Hund, er schlie\u00dft sich niemandem an, au\u00dfer seinem Herrn, und hat er ihn paar Augenblicke nicht gesehn, empf\u00e4ngt er ihn gleich mit gro\u00dfem Bellen, womit er offenbar seine Freude dar\u00fcber ausdr\u00fccken will, seinen Herrn, diesen au\u00dferordentlichen Wohlt\u00e4ter wieder gefunden zu haben. Allerdings hat ein Hund auch Nachteile. Selbst wenn er noch so reinlich gehalten wird, verunreinigt er das Zimmer. Das ist gar nicht zu vermeiden, man kann ihn nicht jedesmal, ehe man ihn ins Zimmer hineinnimmt, in hei\u00dfem Wasser baden, auch w\u00fcrde das seine Gesundheit nicht vertragen. Unreinlichkeit in seinem Zimmer aber vertr\u00e4gt wieder Blumfeld nicht, die Reinheit seines Zimmers ist ihm etwas Unentbehrliches, mehrmals in der Woche hat er mit der in diesem Punkte leider nicht sehr peinlichen Bedienerin Streit. Da sie schwerh\u00f6rig ist, zieht er sie gew\u00f6hnlich am Arm zu jenen Stellen des Zimmers, wo er an der Reinlichkeit etwas auszusetzen hat. Durch diese Strenge hat er es erreicht, da\u00df die Ordnung im Zimmer ann\u00e4hernd seinen W\u00fcnschen entspricht. Mit der Einf\u00fchrung eines Hundes w\u00fcrde er aber geradezu den bisher so sorgf\u00e4ltig abgewehrten Schmutz freiwillig in sein Zimmer leiten. Fl\u00f6he, die st\u00e4ndigen Begleiter der Hunde w\u00fcrden sich einstellen. Waren aber einmal Fl\u00f6he da, dann war auch der Augenblick nicht mehr fern, an dem Blumfeld sein behagliches Zimmer dem Hund \u00fcberlassen und ein anderes Zimmer suchen w\u00fcrde. Unreinlichkeit war aber nur ein Nachteil der Hunde. Hunde werden auch krank und Hundekrankheiten versteht doch eigentlich niemand. Dann hockt dieses Tier in einem Winkel oder hinkt herum, winselt, h\u00fcstelt, w\u00fcrgt an irgendeinem Schmerz, man umwickelt es mit einer Decke, pfeift ihm etwas vor, schiebt ihm Milch hin, kurz pflegt es in der Hoffnung, da\u00df es sich, wie dies ja auch m\u00f6glich ist, um ein vor\u00fcbergehendes Leiden handelt, indessen aber kann es eine ernsthafte widerliche und ansteckende Krankheit sein. Und selbst wenn der Hund gesund bleibt, so wird er doch sp\u00e4ter einmal alt, man hat sich nicht entschlie\u00dfen k\u00f6nnen das treue Tier rechtzeitig wegzugeben und es kommt dann die Zeit, wo einen das eigene Alter aus den tr\u00e4nenden Hundeaugen anschaut. Dann mu\u00df man sich aber mit dem halbblinden, lungenschwachen, vor Fett fast unbeweglichen Tier qu\u00e4len und damit die Freuden, die der Hund fr\u00fcher gemacht hat, teuer bezahlen. So gern Blumfeld einen Hund jetzt h\u00e4tte, so will er doch lieber noch drei\u00dfig Jahre allein die Treppe hinaufsteigen, statt sp\u00e4ter von einem solchen alten Hund bel\u00e4stigt zu werden, der noch lauter seufzend als er selbst sich neben ihm von Stufe zu Stufe hinaufschleppt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wird also Blumfeld doch allein bleiben, er hat nicht etwa die Gel\u00fcste einer alten Jungfer, die irgendein untergeordnetes lebendiges Wesen in ihrer N\u00e4he haben will, das sie besch\u00fctzen darf, mit dem sie z\u00e4rtlich sein kann, welches sie immerfort bedienen will, so da\u00df ihr also zu diesem Zweck eine Katze, ein Kanarienvogel oder selbst Goldfische gen\u00fcgen. Und kann es das nicht sein, so ist sie sogar mit Blumen vor dem Fenster zufrieden. Blumfeld dagegen will nur einen Begleiter haben, ein Tier, um das er sich nicht viel k\u00fcmmern mu\u00df, dem ein gelegentlicher Fu\u00dftritt nicht schadet, das im Notfall auch auf der Gasse \u00fcbernachten kann, das aber, wenn es Blumfeld danach verlangt, gleich mit Bellen, Springen, H\u00e4ndelecken zur Verf\u00fcgung steht. Etwas derartiges will Blumfeld, da er es aber, wie er einsieht ohne allzugro\u00dfe Nachteile nicht haben kann, so verzichtet er darauf, kommt aber seiner gr\u00fcndlichen Natur entsprechend von Zeit zu Zeit, z. B. an diesem Abend, wieder auf die gleichen Gedanken zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er oben vor seiner Zimmert\u00fcr den Schl\u00fcssel aus der Tasche holt, f\u00e4llt ihm ein Ger\u00e4usch auf, das aus seinem Zimmer kommt. Ein eigent\u00fcmliches klapperndes Ger\u00e4usch, sehr lebhaft aber, sehr regelm\u00e4\u00dfig. Da Blumfeld gerade an Hunde gedacht hat, erinnert es ihn an das Ger\u00e4usch, das Pfoten hervorbringen, wenn sie abwechselnd auf den Boden schlagen. Aber Pfoten klappern nicht, es sind nicht Pfoten. Er schlie\u00dft eilig die T\u00fcr auf und dreht das elektrische Licht auf. Auf diesen Anblick war er nicht vorbereitet. Das ist ja Zauberei, zwei kleine wei\u00dfe blaugestreifte Celluloidb\u00e4lle springen auf dem Parkett nebeneinander auf und ab; schl\u00e4gt der eine auf den Boden, ist der andere in der H\u00f6he und unerm\u00fcdlich f\u00fchren sie ihr Spiel aus. Einmal im Gymnasium hat Blumfeld bei einem bekannten elektrischen Experiment kleine K\u00fcgelchen \u00e4hnlich springen sehn, diese aber sind verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe B\u00e4lle, springen im freien Zimmer und es wird kein elektrisches Experiment angestellt. Blumfeld b\u00fcckt sich zu ihnen hinab, um sie genauer anzusehn. Es sind ohne Zweifel gew\u00f6hnliche B\u00e4lle, sie enthalten wahrscheinlich in ihrem Innern noch einige kleinere B\u00e4lle und diese erzeugen das klappernde Ger\u00e4usch. Blumfeld greift in die Luft, um festzustellen, ob sie nicht etwa an irgendwelchen F\u00e4den h\u00e4ngen, nein, sie bewegen sich ganz selbstst\u00e4ndig. Schade da\u00df Blumfeld nicht ein kleines Kind ist, zwei solche B\u00e4lle w\u00e4ren f\u00fcr ihn eine freudige \u00dcberraschung gewesen, w\u00e4hrend jetzt das Ganze einen mehr unangenehmen Eindruck auf ihn macht. Es ist doch nicht ganz wertlos als ein unbeachteter Junggeselle nur im Geheimen zu leben, jetzt hat irgendjemand, gleichg\u00fcltig wer, dieses Geheimnis gel\u00fcftet und ihm diese zwei komischen B\u00e4lle hereingeschickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er will einen fassen aber sie weichen vor ihm zur\u00fcck und locken ihn ins Zimmer hinter sich her. &#8220;Es ist doch zu dumm&#8221;, denkt er, &#8220;so hinter den B\u00e4llen herzulaufen&#8221;, bleibt stehn und sieht ihnen nach, wie sie, da die Verfolgung aufgegeben scheint, auch auf der gleichen Stelle bleiben. &#8220;Ich werde sie aber doch zu fangen suchen&#8221;, denkt er dann wieder und eilt zu ihnen. Sofort fl\u00fcchten sie sich, aber Blumfeld dr\u00e4ngt sie mit auseinandergestellten Beinen in eine Zimmerecke und vor dem Koffer der dort steht, gelingt es ihm einen Ball zu fangen. Es ist ein k\u00fchler kleiner Ball und dreht sich in seiner Hand, offenbar begierig zu entschl\u00fcpfen. Und auch der andere Ball, als sehe er die Not seines Kameraden, springt h\u00f6her als fr\u00fcher, und dehnt die Spr\u00fcnge bis er Blumfelds Hand ber\u00fchrt. Er schl\u00e4gt gegen diese Hand, schl\u00e4gt in immer schnellern Spr\u00fcngen, \u00e4ndert die Angriffspunkte, springt dann, da er gegen die Hand die den andern Ball ganz umschlie\u00dft nichts ausrichten kann, noch h\u00f6her und will wahrscheinlich Blumfelds Gesicht erreichen. Blumfeld k\u00f6nnte auch diesen Ball fangen und beide irgendwo einsperren, aber es scheint ihm im Augenblick zu entw\u00fcrdigend, solche Ma\u00dfnahmen gegen zwei kleine B\u00e4lle zu ergreifen. Es ist doch auch ein Spa\u00df zwei solche B\u00e4lle zu besitzen, auch werden sie bald genug m\u00fcde werden, unter einen Schrank rollen und Ruhe geben. Trotz dieser \u00dcberlegung schleudert aber Blumfeld in einer Art Zorn den Ball zu Boden, es ist ein Wunder da\u00df hiebei die schwache fast durchsichtige Celluloidh\u00fclle nicht zerbricht. Ohne \u00dcbergang nehmen die zwei B\u00e4lle ihre fr\u00fchernniedrigen gegenseitig abgestimmten Spr\u00fcnge wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blumfeld entkleidet sich ruhig, ordnet die Kleider im Kasten, er pflegt immer genau nachzusehn, ob die Bedienerin alles in Ordnung zur\u00fcckgelassen hat. Ein- oder zweimal schaut er \u00fcber die Schulter weg nach den B\u00e4llen, die unverfolgt jetzt sogar ihn zu verfolgen scheinen, sie sind ihm nachger\u00fcckt und springen nun knapp hinter ihm. Blumfeld zieht den Schlafrock an und will zu der gegen\u00fcberliegenden Wand, um eine der Pfeifen zu holen, die dort in einem Gestell h\u00e4ngen. Unwillk\u00fcrlich schl\u00e4gt er, ehe er sich umdreht, mit einem Fu\u00df nach hinten aus, die B\u00e4lle aber verstehen es auszuweichen und werden nicht getroffen. Als er nun um die Pfeife geht, schlie\u00dfen sich ihm die B\u00e4lle gleich an, er schlurft mit den Pantoffeln, macht unregelm\u00e4\u00dfige Schritte, aber doch folgt jedem Auftreten fast ohne Pause ein Aufschlag der B\u00e4lle, sie halten mit ihm Schritt. Blumfeld dreht sich unerwartet um, um zu sehn, wie die B\u00e4lle das zustandebringen. Aber kaum hat er sich umgedreht, beschreiben die B\u00e4lle einen Halbkreis und sind schon wieder hinter ihm; und das wiederholt sich, sooft er sich umdreht. Wie untergeordnete Begleiter, suchen sie es zu vermeiden, vor Blumfeld sich aufzuhalten. Bis jetzt haben sie es scheinbar nur gewagt, um sich ihm vorzustellen, jetzt aber haben sie bereits ihren Dienst angetreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher hat Blumfeld immer in allen Ausnahmsf\u00e4llen, wo seine Kraft nicht hinreichte um die Lage zu beherrschen, das Aushilfsmittel gew\u00e4hlt, so zu tun als bemerke er nichts, Es hat oft geholfen und meistens die Lage wenigstens verbessert. Er verh\u00e4lt sich also auch jetzt so, steht vor dem Pfeifengestell, w\u00e4hlt mit aufgest\u00fclpten Lippen eine Pfeife, stopft sie besonders gr\u00fcndlich aus dem bereitgestellten Tabaksbeutel und l\u00e4\u00dft unbek\u00fcmmert hinter sich die B\u00e4lle ihre Spr\u00fcnge machen. Nur zum Tisch zu gehn z\u00f6gert er, den Gleichtakt der Spr\u00fcnge und seiner eigenen Schritte zu h\u00f6ren, schmerzt ihn fast. So steht er, stopft die Pfeife unn\u00f6tig lange und pr\u00fcft die Entfernung die ihn vom Tische trennt. Endlich aber \u00fcberwindet er seine Schw\u00e4che und legt die Strecke unter solchem Fu\u00dfstampfen zur\u00fcck, da\u00df er die B\u00e4lle gar nicht h\u00f6rt. Als er sitzt springen sie allerdings hinter seinem Sessel wieder vernehmlich wie fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber dem Tisch ist in Griffn\u00e4he an der Wand ein Brett angebracht, auf dem die Flasche mit dem Kirschenschnaps von kleinen Gl\u00e4schen umgeben steht. Neben ihr liegt ein Sto\u00df von Heften der franz\u00f6sischen Zeitschrift. Aber statt alles, was er ben\u00f6tigt, herunterzuholen, sitzt Blumfeld still und blickt in den noch immer nicht entz\u00fcndeten Pfeifenkopf. Er ist auf der Lauer, pl\u00f6tzlich ganz unerwartet weicht seine Erstarrung und er dreht sich in einem Ruck mit dem Sessel um. Aber auch die B\u00e4lle sind entsprechend wachsam oder folgen gedankenlos dem sie beherrschenden Gesetz, gleichzeitig mit Blumfelds Umdrehung ver\u00e4ndern auch sie ihren Ort und verbergen sich hinter seinem R\u00fccken. Nun sitzt Blumfeld mit dem R\u00fccken zum Tisch, die kalte Pfeife in der Hand. Die B\u00e4lle springen jetzt unter dem Tisch und sind, da dort ein Teppich ist, nur wenig zu h\u00f6ren. Das ist ein gro\u00dfer Vorteil; es gibt nur ganz schwache dumpfe Ger\u00e4usche, man mu\u00df sehr aufmerken, um sie mit dem Geh\u00f6r noch zu erfassen. Blumfeld allerdings ist sehr aufmerksam und h\u00f6rt sie genau. Aber das ist nur jetzt so, in einem Weilchen wird er sie wahrscheinlich gar nicht mehr h\u00f6ren. Da\u00df sie sich auf Teppichen so wenig bemerkbar machen k\u00f6nnen, scheint Blumfeld eine gro\u00dfe Schw\u00e4che der B\u00e4lle zu sein. Man mu\u00df ihnen nur einen oder noch besser zwei Teppiche unterschieben und sie sind fast machtlos. Allerdings nur f\u00fcr eine bestimmte Zeit und au\u00dferdem bedeutet schon ihr Dasein eine gewisse Macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt k\u00f6nnte Blumfeld einen Hund gut brauchen, so ein junges wildes Tier w\u00fcrde mit den B\u00e4llen bald fertig werden; er stellt sich vor wie dieser Hund mit den Pfoten nach ihnen hascht, wie er sie von ihrem Posten vertreibt, wie er sie kreuz und quer durchs Zimmer jagt und sie schlie\u00dflich zwischen seine Z\u00e4hne bekommt. Es ist leicht m\u00f6glich, da\u00df sich Blumfeld in n\u00e4chster Zeit einen Hund anschafft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorl\u00e4ufig aber m\u00fcssen die B\u00e4lle nur Blumfeld f\u00fcrchten und er hat jetzt keine Lust sie zu zerst\u00f6ren, vielleicht fehlt es ihm auch nur an Entschlu\u00dfkraft dazu. Er kommt abend m\u00fcde aus der Arbeit und nun, wo er Ruhe so n\u00f6tig hat, wird ihm diese \u00dcberraschung bereitet. Er f\u00fchlt erst jetzt wie m\u00fcde er eigentlich ist. Zerst\u00f6ren wird er ja die B\u00e4lle gewi\u00df undzwar in allern\u00e4chster Zeit, aber vorl\u00e4ufig nicht und wahrscheinlich erst am n\u00e4chsten Tag. Wenn man das Ganze unvoreingenommen ansieht, f\u00fchren sich \u00fcbrigens die B\u00e4lle gen\u00fcgend bescheiden auf. Sie k\u00f6nnten beispielsweise von Zeit zu Zeit vorspringen, sich zeigen und wieder an ihren Ort zur\u00fcckkehren, oder sie k\u00f6nnten h\u00f6her springen, um an die Tischplatte zu schlagen und sich f\u00fcr die D\u00e4mpfung durch den Teppich zu entsch\u00e4digen.\u2018 Aber das tun sie nicht, sie wollen Blumfeld nicht unn\u00f6tig reizen, sie beschr\u00e4nken sich offenbar nur auf das unbedingt Notwendige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings gen\u00fcgt auch dieses Notwendige, um Blumfeld den Aufenthalt beim Tisch zu verleiden. Er sitzt erst paar Minuten dort und denkt schon daran schlafen zu gehn. Einer der Beweggr\u00fcnde daf\u00fcr ist auch der, da\u00df er hier nicht rauchen kann, denn er hat die Z\u00fcndh\u00f6lzchen auf das Nachttischchen gelegt. Er m\u00fc\u00dfte also diese Z\u00fcndh\u00f6lzchen holen, wenn er aber einmal beim Nachttisch ist, ist es wohl besser schon dortzubleiben und sich niederzulegen. Er hat hiebei auch noch einen Hintergedanken, er glaubt n\u00e4mlich, da\u00df die B\u00e4lle in ihrer blinden Sucht sich immer hinter ihm zu halten, auf das Bett springen werden und da\u00df er sie dort, wenn er sich dann niederlegt, mit oder ohne Willen zerdr\u00fccken wird. Den Einwand da\u00df etwa auch noch die Reste der B\u00e4lle springen k\u00f6nnten, lehnt er ab. Auch das Ungew\u00f6hnliche mu\u00df Grenzen haben. Ganze B\u00e4lle springen auch sonst, wenn auch nicht ununterbrochen, Bruchst\u00fccke von B\u00e4llen dagegen springen niemals, und werden also auch hier nicht springen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Auf! &#8221; ruft er durch diese \u00dcberlegung fast mutwillig gemacht und stampft wieder mit den B\u00e4llen hinter sich zum Bett. Seine Hoffnung scheint sich zu best\u00e4tigen; wie er sich absichtlich ganz nahe ans Bett stellt, springt sofort ein Ball auf das Bett hinauf. Dagegen tritt das Unerwartete ein, da\u00df der andere Ball sich unter das Bett begibt. An die M\u00f6glichkeit, da\u00df die B\u00e4lle auch unter dem Bett springen k\u00f6nnten, hat Blumfeld gar nicht gedacht. Er ist \u00fcber den einen Ball entr\u00fcstet, trotzdem er f\u00fchlt, wie ungerecht das ist, denn durch das Springen unter dem Bett erf\u00fcllt der Ball seine Aufgabe vielleicht noch besser, als der Ball auf dem Bett. Nun kommt alles darauf an, f\u00fcr welchen Ort sich die B\u00e4lle entscheiden, denn da\u00df sie lang getrennt arbeiten k\u00f6nnten, glaubt Blumfeld nicht. Und tats\u00e4chlich springt im n\u00e4chsten Augenblick auch der untere Ball auf das Bett hinauf. &#8220;Jetzt habe ich sie&#8221;, denkt Blumfeld hei\u00df vor Freude und rei\u00dft den Schlafrock vom Leib, um sich ins Bett zu werfen. Aber gerade springt der gleiche Ball wieder unter das Bett. \u00dcberm\u00e4\u00dfig entt\u00e4uscht sinkt Blumfeld f\u00f6rmlich zusammen. Der Ball hat sich wahrscheinlich oben nur umgesehn und es hat ihm nicht gefallen. Und nun folgt ihm auch der andere und bleibt nat\u00fcrlich unten, denn unten ist es besser. &#8220;Nun werde ich diese Trommler die ganze Nacht hier haben&#8221;, denkt Blumfeld, bei\u00dft die Lippen zusammen und nickt mit dem Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er ist traurig ohne eigentlich zu wissen, womit ihm die B\u00e4lle in der Nacht schaden k\u00f6nnten. Sein Schlaf ist ausgezeichnet, er wird das kleine Ger\u00e4usch leicht \u00fcberwinden. Um dessen ganz sicher zu sein, schiebt er ihnen entsprechend der gewonnenen Erfahrung zwei Teppiche unter. Es ist als h\u00e4tte er einen kleinen Hund, den er weich betten will. Und als w\u00e4ren auch die B\u00e4lle m\u00fcde und schl\u00e4frig, sind auch ihre Spr\u00fcnge niedriger und langsamer als fr\u00fcher. Wie Blumfeld vor dem Bett kniet und mit der Nachtlampe hinunterleuchtet, glaubt er manchmal, da\u00df die B\u00e4lle auf den Teppichen f\u00fcr immer liegen bleiben werden, so schwach fallen sie, so langsam rollen sie ein St\u00fcckchen weit. Dann allerdings erheben sie sich wieder pflichtgem\u00e4\u00df. Es ist aber leicht m\u00f6glich, da\u00df Blumfeld wenn er fr\u00fch unter das Bett schaut, dort zwei stille harmlose Kinderb\u00e4lle finden wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber sie scheinen die Spr\u00fcnge nicht einmal bis zum Morgen aushalten zu k\u00f6nnen, denn schon als Blumfeld im Bett liegt, h\u00f6rt er sie gar nicht mehr. Er strengt sich an, etwas zu h\u00f6ren, lauscht aus dem Bett vorgebeugt, \u2013 kein Laut. So stark k\u00f6nnen die Teppiche nicht wirken, die einzige Erkl\u00e4rung ist, da\u00df die B\u00e4lle nicht mehr springen, entweder k\u00f6nnen sie sich von den weichen Teppichen nicht gen\u00fcgend absto\u00dfen und haben deshalb das Springen vorl\u00e4ufig aufgegeben oder aber, was das Wahrscheinlichere ist, sie werden niemals mehr springen. Blumfeld k\u00f6nnte aufstehn und nachschauen, wie es sich eigentlich verh\u00e4lt, aber in seiner Zufriedenheit dar\u00fcber, da\u00df endlich Ruhe ist, bleibt er lieber liegen, er will an die ruhiggewordenen B\u00e4lle nicht einmal mit den Blicken r\u00fchren. Sogar auf das Rauchen verzichtet er gern, dreht sich zur Seite und schl\u00e4ft gleich ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch bleibt er nicht ungest\u00f6rt; wie sonst immer, ist sein Schlaf auch diesmal traumlos, aber sehr unruhig. Unz\u00e4hligemale in der Nacht wird er durch die T\u00e4uschung aufgeschreckt, als ob jemand an die T\u00fcre klopfe. Er wei\u00df auch bestimmt, da\u00df niemand klopft; wer sollte in der Nacht klopfen und an seine eines einsamen Junggesellen T\u00fcr. Trotzdem er es aber bestimmt wei\u00df, f\u00e4hrt er doch immer wieder auf und blickt einen Augenblick lang gespannt zur T\u00fcre, den Mund offen, die Augen aufgerissen und die Haarstr\u00e4hnen sch\u00fctteln sich auf seiner feuchten Stirn. Er macht Versuche zu z\u00e4hlen, wie oft er geweckt wird, aber besinnungslos von den ungeheueren Zahlen die sich ergeben, f\u00e4llt er wieder in den Schlaf zur\u00fcck. Er glaubt zu wissen, woher das Klopfen stammt, es wird nicht an der T\u00fcr ausgef\u00fchrt, sondern ganz anderswo, aber er kann sich in der Befangenheit des Schlafes nicht erinnern, worauf sich seine Vermutungen gr\u00fcnden. Er wei\u00df nur da\u00df viele winzige widerliche Schl\u00e4ge sich sammeln, ehe sie das gro\u00dfe starke Klopfen ergeben. Aber er w\u00fcrde alle Widerlichkeit der kleinen Schl\u00e4ge erdulden wollen, wenn er das Klopfen vermeiden k\u00f6nnte, aber es ist aus irgendeinem Grunde zu sp\u00e4t, er kann hier nicht eingreifen, es ist vers\u00e4umt, er hat nicht einmal Worte, nur zum stummen G\u00e4hnen \u00f6ffnet sich sein Mund und w\u00fctend dar\u00fcber, schl\u00e4gt er das Gesicht in die Kissen. So vergeht die Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen weckt ihn das Klopfen der Bedienerin, mit einem Seufzer der Erl\u00f6sung begr\u00fc\u00dft er dieses sanfte Klopfen \u00fcber dessen Unh\u00f6rbarkeit er sich immer beklagt hat. Und will schon &#8220;herein&#8221; rufen, da h\u00f6rt er noch ein anderes lebhaftes, zwar schwaches, aber f\u00f6rmlich kriegerisches Klopfen. Es sind die B\u00e4lle unter dem Bett. Sind sie aufgewacht, haben sie im Gegensatz zu ihm \u00fcber die Nacht neue Kr\u00e4fte gesammelt? &#8220;Gleich&#8221;, ruft Blumfeld der Bedienerin zu, springt aus dem Bett, aber vorsichtiger Weise so, da\u00df er die B\u00e4lle im R\u00fccken beh\u00e4lt, wirft sich immer den R\u00fccken ihnen zugekehrt auf den Boden, blickt mit verdrehtem Kopf zu den B\u00e4llen und \u2013 m\u00f6chte fast fluchen. Wie Kinder, die in der Nacht die l\u00e4stigen Decken von sich schieben, haben die B\u00e4lle wahrscheinlich durch kleine w\u00e4hrend der ganzen Nacht fortgesetzte Zuckungen die Teppiche so weit unter dem Bett hervorgeschoben, da\u00df sie selbst wieder das freie Parkett unter sich haben und L\u00e4rm machen k\u00f6nnen. &#8220;Zur\u00fcck auf die Teppiche&#8221;, sagt Blumfeld mit b\u00f6sem Gesicht. Erst als die B\u00e4lle dank der Teppiche wieder still geworden sind, ruft er die Bedienerin herein. W\u00e4hrend diese, ein fettes stumpfsinniges immer steif aufrecht gehendes Weib das Fr\u00fchst\u00fcck auf den Tisch stellt und die paar Handreichungen macht, die n\u00f6tig sind, steht Blumfeld unbeweglich im Schlafrock bei seinem Bett um die B\u00e4lle unten festzuhalten. Er folgt der Bedienerin mit den Blicken um festzustellen, ob sie etwas merkt. Bei ihrer Schwerh\u00f6rigkeit ist das sehr unwahrscheinlich und Blumfeld schreibt es seiner durch den schlechten Schlaf erzeugten \u00dcberreiztheit zu, wenn er zu sehen glaubt, da\u00df die Bedienerin doch hie und da stockt, sich an irgendeinem M\u00f6bel festh\u00e4lt und mit hochgezogenen Brauen horcht. Er w\u00e4re gl\u00fccklich, wenn er die Bedienerin dazu bringen k\u00f6nnte ihre Arbeit ein wenig zu beschleunigen, aber sie ist fast langsamer als sonst. Umst\u00e4ndlich beladet sie sich mit Blumfelds Kleidern und Stiefeln und zieht damit auf den Gang, lange bleibt sie weg, eint\u00f6nig und ganz vereinzelt klingen die Schl\u00e4ge her\u00fcber mit denen sie drau\u00dfen die Kleider bearbeitet. Und w\u00e4hrend dieser ganzen Zeit mu\u00df Blumfeld auf dem Bett ausharren, darf sich nicht r\u00fchren, wenn er nicht die B\u00e4lle hinter sich herziehn will, mu\u00df den Kaffee den er so gern m\u00f6glichst warm trinkt ausk\u00fchlen lassen und kann nichts anderes tun als den herabgelassenen Fenstervorhang anstarren, hinter dem der Tag tr\u00fcbe herand\u00e4mmert. Endlich ist die Bedienerin fertig, w\u00fcnscht einen guten Morgen und will schon gehn. Aber ehe sie sich endgiltig entfernt, bleibt sie noch bei der T\u00fcr stehn, bewegt ein wenig die Lippen und sieht Blumfeld mit langem Blicke an. Blumfeld will sie schon zur Rede stellen, da geht sie schlie\u00dflich. Am liebsten m\u00f6chte Blumfeld die T\u00fcr aufrei\u00dfen und ihr nachschreien was f\u00fcr ein dummes altes stumpfsinniges Weib sie ist. Als er aber dar\u00fcber nachdenkt, was er gegen sie eigentlich einzuwenden hat, findet er nur den Widersinn, da\u00df sie zweifellos nichts bemerkt hat und sich doch den Anschein geben wollte als h\u00e4tte sie etwas bemerkt. Wie verwirrt seine Gedanken sind! Und dies nur von einer schlecht durchschlafenen Nacht! F\u00fcr den schlechten Schlaf findet er eine kleine Erkl\u00e4rung darin, da\u00df er gestern abend von seinen Gewohnheiten abgewichen ist, nicht geraucht und nicht Schnaps getrunken hat. &#8220;Wenn ich einmal&#8221;, das ist das Endergebnis seines Nachdenkens, &#8220;nicht rauche und nicht Schnaps trinke, schlafe ich schlecht. &#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wird von jetzt ab mehr auf sein Wohlbefinden achten, und beginnt damit, da\u00df er aus seiner Hausapoteke die \u00fcber dem Nachttischchen h\u00e4ngt, Watta nimmt und zwei Wattak\u00fcgelchen sich in die Ohren stopft. Dann steht er auf und macht einen Probeschritt. Die B\u00e4lle folgen zwar, aber er h\u00f6rt sie fast nicht, noch ein Nachschub von Watte macht sie ganz unh\u00f6rbar. Blumfeld f\u00fchrt noch einige Schritte aus, es geht ohne besondere Unannehmlichkeit. Jeder ist f\u00fcr sich, Blumfeld wie die B\u00e4lle, sie sind zwar an einander gebunden, aber sie st\u00f6ren einander nicht. Nur als Blumfeld sich einmal rascher umwendet und ein Ball die Gegenbewegung nicht rasch genug machen kann, st\u00f6\u00dft Blumfeld mit dem Knie an ihn. Es ist der einzige Zwischenfall, im \u00fcbrigen trinkt Blumfeld ruhig den Kaffee, er hat Hunger als h\u00e4tte er in dieser Nacht nicht geschlafen, sondern einen langen Weg gemacht, w\u00e4scht sich mit kaltem ungemein erfrischendem Wasser und kleidet sich an. Bisher hat er die Vorh\u00e4nge nicht hochgezogen, sondern ist aus Vorsicht lieber im Halbdunkel geblieben, f\u00fcr die B\u00e4lle braucht er keine fremden Augen. Aber als er jetzt zum Weggehn bereit ist mu\u00df er die B\u00e4lle f\u00fcr den Fall, da\u00df sie es wagen sollten \u2013 er glaubt es nicht \u2013 ihm auch auf die Gasse zu folgen, irgendwie versorgen. Er hat daf\u00fcr einen guten Einfall, er \u00f6ffnet den gro\u00dfen Kleiderkasten und stellt sich mit dem R\u00fccken gegen ihn. Als h\u00e4tten die B\u00e4lle eine Ahnung dessen was beabsichtigt wird, h\u00fcten sie sich vor dem Innern des Kastens, jedes Pl\u00e4tzchen, das zwischen Blumfeld und dem Kasten bleibt, n\u00fctzen sie aus, springen, wenn es nicht anders geht, f\u00fcr einen Augenblick in den Kasten, fl\u00fcchten sich aber vor dem Dunkel gleich wieder hinaus, \u00fcber die Kante weiter in den Kasten sind sie gar nicht zu bringen, lieber verletzen sie ihre Pflicht und halten sich fast Blumfeld zur Seite. Aber ihre kleinen Listen sollen ihnen nichts helfen, denn jetzt steigt Blumfeld selbst r\u00fccklings in den Kasten und nun m\u00fcssen sie allerdings folgen. Damit ist aber auch \u00fcber sie entschieden, denn auf dem Kastenboden liegen verschiedene kleinere Gegenst\u00e4nde wie Stiefel, Schachteln, kleine Koffer, die alle zwar \u2013 jetzt bedauert es Blumfeld \u2013 wohl geordnet sind, aber doch die B\u00e4lle sehr behindern. Und als nun Blumfeld, der inzwischen die T\u00fcr des Kastens fast zugezogen hat, mit einem gro\u00dfen Sprung wie er ihn schon seit Jahren nicht ausgef\u00fchrt hat den Kasten verl\u00e4\u00dft, die T\u00fcr zudr\u00fcckt und den Schl\u00fcssel umdreht, sind die B\u00e4lle eingesperrt. &#8220;Das ist also gelungen&#8221;, denkt Blumfeld und wischt sich den Schwei\u00df vom Gesicht. Wie die B\u00e4lle in dem Kasten l\u00e4rmen! Es macht den Eindruck, als w\u00e4ren sie verzweifelt. Blumfeld dagegen ist sehr zufrieden. Er verl\u00e4\u00dft das Zimmer und schon der \u00f6de Korridor wirkt wohltuend auf ihn ein. Er befreit die Ohren von der Watte und die vielen Ger\u00e4usche des erwachenden Hauses entz\u00fccken ihn. Menschen sieht man nur wenig, es ist noch sehr fr\u00fch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unten im Flur vor der niedrigen T\u00fcr durch die man in die Kellerwohnung der Bedienerin kommt, steht ihr kleiner zehnj\u00e4hriger Junge. Ein Ebenbild seiner Mutter, keine H\u00e4\u00dflichkeit der Alten ist in diesem Kindergesicht vergessen worden. Krummbeinig, die H\u00e4nde in den Hosentaschen steht er dort und faucht, weil er schon jetzt einen Kropf hat und nur schwer Athem holen kann. W\u00e4hrend aber Blumfeld sonst wenn ihm der Junge in den Weg kommt, einen eiligern Schritt einschl\u00e4gt, um sich dieses Schauspiel m\u00f6glichst zu ersparen, m\u00f6chte er heute bei ihm fast stehn bleiben wollen. Wenn der Junge auch von diesem Weib auf die Welt gesetzt ist und alle Zeichen seines Ursprungs tr\u00e4gt, so ist er vorl\u00e4ufig doch ein Kind, in diesem unf\u00f6rmlichen Kopf sind doch Kindergedanken, wenn man ihn verst\u00e4ndig ansprechen und etwas fragen wird, so wird er wahrscheinlich mit heller Stimme, unschuldig und ehrerbietig antworten und man wird nach einiger \u00dcberwindung auch diese Wangen streicheln k\u00f6nnen. So denkt Blumfeld, geht aber doch vor\u00fcber. Auf der Gasse merkt er da\u00df das Wetter freundlicher ist, als er in seinem Zimmer gedacht hat. Die Morgennebel teilen sich und Stellen blauen von kr\u00e4ftigem Wind gefegten Himmels erscheinen. Blumfeld verdankt es den B\u00e4llen, da\u00df er viel fr\u00fcher aus seinem Zimmer herausgekommen ist als sonst, sogar die Zeitung hat er ungelesen auf dem Tisch vergessen, jedenfalls hat er dadurch viel Zeit gewonnen und kann jetzt langsam gehn. Es ist merkw\u00fcrdig wie wenig Sorge ihm die B\u00e4lle machen, seitdem er sie von sich getrennt hat. Solange sie hinter ihm her waren, konnte man sie f\u00fcr etwas zu ihm Geh\u00f6riges halten, f\u00fcr etwas, das bei Beurteilung seiner Person irgendwie mit herangezogen werden mu\u00dfte, jetzt dagegen waren sie nur ein Spielzeug zuhause im Kasten. Und es f\u00e4llt hiebei Blumfeld ein, da\u00df er die B\u00e4lle vielleicht am besten dadurch unsch\u00e4dlich machen k\u00f6nnte, da\u00df er sie ihrer eigentlichen Bestimmung zuf\u00fchrt. Dort im Flur steht noch der Junge, Blumfeld wird ihm die B\u00e4lle schenken, undzwar nicht etwa borgen, sondern ausdr\u00fccklich schenken was gewi\u00df gleichbedeutend ist mit dem Befehl zu ihrer Vernichtung. Und selbst wenn sie heil bleiben sollten, so werden sie doch in den H\u00e4nden des Jungen noch weniger bedeuten als im Kasten, das ganze Haus wird sehn, wie der Junge mit ihnen spielt, andere Kinder werden sich anschlie\u00dfen, die allgemeine Meinung da\u00df es sich hier um Spielb\u00e4lle und nicht etwa um Lebensbegleiter Blumfelds handelt wird unersch\u00fctterlich und unwiderstehlich werden. Blumfeld l\u00e4uft ins Haus zur\u00fcck. Gerade ist der Junge die Kellertreppe hinuntergestiegen und will unten die T\u00fcr \u00f6ffnen. Blumfeld mu\u00df den Jungen also rufen und seinen Namen aussprechen, der l\u00e4cherlich ist wie alles was mit diesem Jungen in Verbindung gebracht wird. Er tut es. &#8220;Alfred, Alfred&#8221;, ruft er. Der Junge z\u00f6gert lange. &#8220;Also komm doch&#8221;, ruft Blumfeld, &#8220;ich gebe Dir etwas. &#8221; Die zwei kleinen M\u00e4dchen des Hausmeisters sind aus der gegen\u00fcberliegenden T\u00fcr herausgekommen und stellen sich neugierig rechts und links von Blumfeld auf. Sie fassen viel schneller auf als der Junge und verstehen nicht, warum er nicht gleich kommt. Sie winken ihm, lassen dabei Blumfeld nicht aus den Augen, k\u00f6nnen aber nicht ergr\u00fcnden, was f\u00fcr ein Geschenk Alfred erwartet. Die Neugierde plagt sie und sie h\u00fcpfen von einem Fu\u00df auf den andern. Blumfeld lacht sowohl \u00fcber sie als \u00fcber den Jungen. Dieser scheint sich endlich alles zurechtgelegt zu haben und steigt steif und schwerf\u00e4llig die Treppe hinauf. Nicht einmal im Gang verl\u00e4ugnet er seine Mutter, die \u00fcbrigens unten in der Kellert\u00fcr erscheint. Blumfeld schreit \u00fcberlaut, damit ihn auch die Bedienerin versteht und die Ausf\u00fchrung seines Auftrags, falls es n\u00f6tig sein sollte, \u00fcberwacht. &#8220;Ich habe oben&#8221;, sagt Blumfeld, &#8220;in meinem Zimmer zwei sch\u00f6ne B\u00e4lle. Willst Du sie haben?&#8221; Der Junge verzieht blo\u00df den Mund, er wei\u00df nicht wie er sich verhalten soll, er dreht sich um und sieht fragend zu seiner Mutter hinunter. Die M\u00e4dchen aber fangen gleich an, um Blumfeld herumzuspringen und bitten ihn um die B\u00e4lle. &#8220;Ihr werdet auch mit ihnen spielen d\u00fcrfen&#8221;, sagt Blumfeld zu ihnen, wartet aber auf die Antwort des Jungen. Er k\u00f6nnte die B\u00e4lle gleich den M\u00e4dchen schenken, aber sie scheinen ihm zu leichtsinnig und er hat jetzt mehr Vertrauen zu dem Jungen. Dieser hat sich inzwischen bei seiner Mutter, ohne da\u00df Worte gewechselt worden w\u00e4ren, Rat geholt und nickt auf eine neuerliche Frage Blumfelds zustimmend. &#8220;Dann gibt Acht&#8221;, sagt Blumfeld, der gern \u00fcbersieht da\u00df er hier f\u00fcr sein Geschenk keinen Dank bekommen wird, &#8220;den Schl\u00fcssel zu meinem Zimmer hat Deine Mutter, den mu\u00dft Du Dir von ihr ausborgen, hier gebe ich Dir den Schl\u00fcssel von meinem Kleiderkasten und in diesem Kleiderkasten sind die B\u00e4lle. Sperr Kasten und das Zimmer wieder vorsichtig zu. Mit den B\u00e4llen aber kannst Du machen was Du willst und mu\u00dft sie nicht wieder zur\u00fcckbringen. Hast Du mich verstanden? &#8221; Der Junge hat aber leider nicht verstanden. Blumfeld hat diesem grenzenlos begriffsst\u00fctzigen Wesen alles besonders klar machen wollen, hat aber gerade infolge dieser Absicht alles zu oft wiederholt, zu oft abwechselnd von Schl\u00fcsseln Zimmer und Kasten gesprochen und der Junge starrt ihn infolgedessen nicht wie einen Wohlt\u00e4ter sondern wie einen Versucher an. Die M\u00e4dchen allerdings haben gleich alles begriffen, dr\u00e4ngen sich an Blumfeld und strecken die H\u00e4nde nach dem Schl\u00fcssel aus. &#8220;Wartet doch&#8221;, sagt Blumfeld und \u00e4rgert sich schon \u00fcber alle. Auch vergeht die Zeit, er kann sich nicht mehr lange aufhalten. Wenn doch die Bedienerin endlich sagen wollte, da\u00df sie ihn verstanden hat und alles richtig f\u00fcr den Jungen besorgen wird. Statt dessen steht sie aber noch immer unten an der T\u00fcr, l\u00e4chelt geziert wie versch\u00e4mte Schwerh\u00f6rige und glaubt vielleicht da\u00df Blumfeld oben \u00fcber ihren Jungen in pl\u00f6tzliches Entz\u00fccken geraten sei und ihm das kleine Einmaleins abh\u00f6re. Blumfeld wieder kann aber doch nicht die Kellertreppe hinuntersteigen und der Bedienerin seine Bitte ins Ohr schreien, ihr Junge m\u00f6ge ihn doch um Gottes Barmherzigkeit willen von den B\u00e4llen befreien. Er hat sich schon genug bezwungen, wenn er den Schl\u00fcssel zu seinem Kleiderkasten f\u00fcr einen ganzen Tag dieser Familie anvertrauen will. Nicht um sich zu schonen, reicht er hier den Schl\u00fcssel dem Jungen, statt ihn selbst hinaufzuf\u00fchren und ihm dort die B\u00e4lle zu \u00fcbergeben. Aber er kann doch nicht oben die B\u00e4lle zuerst wegschenken und sie dann, wie es voraussichtlich geschehen m\u00fc\u00dfte, dem Jungen gleich wieder nehmen, indem er sie als Gefolge hinter sich herzieht. &#8220;Du verstehst mich also nicht?&#8221; fragt Blumfeld fast wehm\u00fctig, nachdem er zu einer neuen Erkl\u00e4rung angesetzt, sie aber unter dem leeren Blick des Jungen gleich wieder abgebrochen hat. Ein solcher leerer Blick macht einen wehrlos. Er k\u00f6nnte einen dazu verf\u00fchren, mehr zu sagen, als man will, nur damit man diese Leere mit Verstand erf\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Wir werden ihm die B\u00e4lle holen&#8221;, rufen da die M\u00e4dchen. Sie sind schlau, sie haben erkannt, da\u00df sie die B\u00e4lle nur durch irgendeine Vermittlung des Jungen erhalten k\u00f6nnen, da\u00df sie aber auch noch diese Vermittlung selbst bewerkstelligen m\u00fcssen. Aus dem Zimmer des Hausmeisters schl\u00e4gt eine Uhr und mahnt Blumfeld zur Eile. &#8220;Dann nehmt also den Schl\u00fcssel&#8221;, sagt Blumfeld und der Schl\u00fcssel wird ihm mehr aus der Hand gezogen als da\u00df er ihn hergibt. Die Sicherheit mit der er den Schl\u00fcssel dem Jungen gegeben h\u00e4tte, w\u00e4re unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer gewesen. &#8220;Den Schl\u00fcssel zum Zimmer holt unten von der Frau&#8221;, sagt Blumfeld noch, &#8220;und bis ihr mit den B\u00e4llen zur\u00fcckkommt m\u00fc\u00dft ihr beide Schl\u00fcssel der Frau geben. &#8221; &#8220;Ja, ja&#8221;, rufen die M\u00e4dchen und laufen die Treppe hinunter. Sie wissen alles, durchaus alles, und als sei Blumfeld von der Begriffsst\u00fctzigkeit des Jungen angesteckt, versteht er jetzt selbst nicht, wie sie seinen Erkl\u00e4rungen alles so schnell hatten entnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun zerren sie schon unten am Rock der Bedienerin, aber Blumfeld kann, so verlockend es w\u00e4re, nicht l\u00e4nger zusehn, wie sie ihre Aufgabe ausf\u00fchren werden undzwar nicht nur weil schon sp\u00e4t ist, sondern auch deshalb weil er nicht zugegen sein will, wenn die B\u00e4lle ans Freie kommen. Er will sogar schon einige Gassen weit entfernt sein, wenn die M\u00e4dchen oben erst die T\u00fcre seines Zimmers \u00f6ffnen. Er wei\u00df ja gar nicht, wessen er sich von den B\u00e4llen noch versehen kann! Und so tritt er zum zweitenmal an diesem Morgen ins Freie. Er hat noch gesehn, wie die Bedienerin sich gegen die M\u00e4dchen f\u00f6rmlich wehrt und der Junge die krummen Beine r\u00fchrt, um der Mutter zur Hilfe zu kommen. Blumfeld begreift nicht, warum solche Menschen wie die Bedienerin auf dieser Welt gedeihen und sich fortpflanzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des Weges in die W\u00e4schefabrik, in der Blumfeld angestellt ist, bekommen die Gedanken an die Arbeit allm\u00e4hlich \u00fcber alles andere die Oberhand. Er beschleunigt seine Schritte und trotz der Verz\u00f6gerung, die der Junge verschuldet hat, ist er der erste in seinem Bureau. Dieses Bureau ist ein kleiner mit Glas verschalter Raum, es enth\u00e4lt einen Schreibtisch f\u00fcr Blumfeld und zwei Stehpulte f\u00fcr die Blumfeld untergeordneten Praktikanten. Trotzdem diese Stehpulte so klein und schmal sind, als seien sie f\u00fcr Schulkinder bestimmt, ist es doch in dem Bureau sehr eng und die Praktikanten d\u00fcrfen sich nicht setzen, weil dann f\u00fcr Blumfelds Sessel kein Platz mehr w\u00e4re. So stehen sie den ganzen Tag an ihre Pulte gedr\u00fcckt. Das ist gewi\u00df f\u00fcr sie sehr unbequem, es wird aber dadurch auch Blumfeld erschwert, sie zu beobachten. Oft dr\u00e4ngen sie sich eifrig an das Pult, aber nicht etwa um zu arbeiten, sondern um mit einander zu fl\u00fcstern oder sogar einzunicken. Blumfeld hat viel \u00c4rger mit ihnen, sie unterst\u00fctzen ihn bei weitem nicht gen\u00fcgend in der riesenhaften Arbeit, die ihm auferlegt ist. Diese Arbeit besteht darin, da\u00df er den gesammten Waren- und Geldverkehr mit den Heimarbeiterinnen besorgt, welche von der Fabrik f\u00fcr die Herstellung gewisser feinerer Waren besch\u00e4ftigt werden. Um die Gr\u00f6\u00dfe dieser Arbeit beurteilen zu k\u00f6nnen, mu\u00df man einen n\u00e4hern Einblick in die ganzen Verh\u00e4ltnisse haben. Diesen Einblick aber hat, seitdem der unmittelbare Vorgesetzte Blumfelds vor einigen Jahren gestorben ist, niemand mehr, deshalb kann auch Blumfeld niemandem die Berechtigung zu einem Urteil \u00fcber seine Arbeit zugestehn. Der Fabrikant, Herr Ottomar z. B. untersch\u00e4tzt Blumfelds Arbeit offensichtlich, er erkennt nat\u00fcrlich die Verdienste an, die Blumfeld sich in der Fabrik im Laufe der zwanzig Jahre erworben hat und er erkennt sie an nicht nur weil er mu\u00df sondern auch weil er Blumfeld als treuen vertrauensw\u00fcrdigen Menschen achtet; aber seine Arbeit untersch\u00e4tzt er doch, er glaubt n\u00e4mlich sie k\u00f6nne einfacher und deshalb in jeder Hinsicht vorteilhafter eingerichtet werden, als sie Blumfeld betreibt. Man sagt, und es ist nicht unglaubw\u00fcrdig, da\u00df Ottomar nur deshalb sich so selten in der Abteilung Blumfelds zeige, um sich den \u00c4rger zu ersparen, den ihm der Anblick der Arbeitsmethoden Blumfelds verursacht. So verkannt zu werden ist f\u00fcr Blumfeld gewi\u00df traurig, aber es gibt keine Abhilfe, denn er kann doch Ottomar nicht zwingen etwa einen Monat ununterbrochen in Blumfelds Abteilung zu bleiben, die vielfachen Arten der hier zu bew\u00e4ltigenden Arbeiten zu studieren, seine eigenen angeblich bessern Methoden anzuwenden und sich durch den Zusammenbruch der Abteilung, den dies notwendig zur Folge h\u00e4tte, von Blumfeld \u00fcberzeugen zu lassen. Deshalb also versieht Blumfeld seine Arbeit unbeirrt wie vorher, erschrickt ein wenig wenn nach langer Zeit einmal Ottomar erscheint, macht dann im Pflichtgef\u00fchl des Untergeordneten doch einen schwachen Versuch Ottomar diese oder jene Einrichtung zu erkl\u00e4ren, worauf dieser stumm nickend mit gesenkten Augen weitergeht, und leidet im \u00fcbrigen weniger unter dieser Verkennung als unter dem Gedanken daran, da\u00df wenn er einmal von seinem Posten wird abtreten m\u00fcssen, die sofortige Folge dessen ein gro\u00dfes von niemandem aufzul\u00f6sendes Durcheinander sein wird, denn er kennt niemanden in der Fabrik, der ihn ersetzen und seinen Posten in der Weise \u00fcbernehmen k\u00f6nnte, da\u00df f\u00fcr den Betrieb durch Monate hindurch auch nur die schwersten Stockungen vermieden w\u00fcrden. Wenn der Chef jemanden untersch\u00e4tzt, so suchen ihn darin nat\u00fcrlich die Angestellten wom\u00f6glich noch zu \u00fcbertreffen. Es untersch\u00e4tzt daher jeder Blumfelds Arbeit, niemand h\u00e4lt es f\u00fcr notwendig zu seiner Ausbildung eine Zeitlang in Blumfelds Abteilung zu arbeiten und wenn neue Angestellte aufgenommen werden, wird aus eigenem Antrieb niemand Blumfeld zugeteilt. Infolgedessen fehlt es f\u00fcr die Abteilung Blumfelds an Nachwuchs. Es waren Wochen des h\u00e4rtesten Kampfes, als Blumfeld, der bisdahin in der Abteilung ganz allein nur von einem Diener unterst\u00fctzt alles besorgt hatte, die Beistellung eines Praktikanten forderte. Fast jeden Tag erschien Blumfeld im Bureau Ottomars und erkl\u00e4rte ihm in ruhiger und ausf\u00fchrlicher Weise, warum ein Praktikant in dieser Abteilung notwendig sei. Er sei nicht etwa deshalb notwendig, weil Blumfeld sich schonen wolle, Blumfeld wolle sich nicht schonen, er arbeite seinen \u00fcberreichlichen Teil und gedenke damit nicht aufzuh\u00f6ren, aber Herr Ottomar m\u00f6ge nur \u00fcberlegen, wie sich das Gesch\u00e4ft im Laufe der Zeit entwickelt habe, alle Abteilungen seien entsprechend vergr\u00f6\u00dfert worden, nur Blumfelds Abteilung werde immer vergessen. Und wie sei gerade dort die Arbeit angewachsen! Als Blumfeld eintrat, an diese Zeiten k\u00f6nne sich Herr Ottomar gewi\u00df nicht mehr erinnern, hatte man dort mit etwa zehn N\u00e4herinnen zu tun, heute schwankt ihre Zahl zwischen f\u00fcnfzig und sechzig. Eine solche Arbeit verlangt Kr\u00e4fte, Blumfeld k\u00f6nne daf\u00fcr b\u00fcrgen, da\u00df er sich vollst\u00e4ndig f\u00fcr diese Arbeit verbrauche, daf\u00fcr aber, da\u00df er sie vollst\u00e4ndig bew\u00e4ltigen werde, k\u00f6nne er von jetzt ab nicht mehr b\u00fcrgen. Nun lehnte ja Herr Ottomar niemals Blumfelds Ansuchen geradezu ab, das konnte er einem alten Beamten gegen\u00fcber nicht tun, aber die Art wie er kaum zuh\u00f6rte, \u00fcber den bittenden Blumfeld hinweg mit andern Leuten sprach, halbe Zusagen machte, in einigen Tagen alles wieder vergessen hatte \u2013 diese Art war recht beleidigend. Nicht eigentlich f\u00fcr Blumfeld, Blumfeld ist kein Phantast, so sch\u00f6n Ehre und Anerkennung ist, Blumfeld kann sie entbehren, er wird trotzallem auf seiner Stelle ausharren so lange es irgendwie geht, jedenfalls ist er im Recht und Recht mu\u00df sich schlie\u00dflich, wenn es auch manchmal lange dauert, Anerkennung verschaffen. So hat ja auch tats\u00e4chlich Blumfeld sogar zwei Praktikanten schlie\u00dflich bekommen, was f\u00fcr Praktikanten allerdings. Man h\u00e4tte glauben k\u00f6nnen, Ottomar habe eingesehn, er k\u00f6nne seine Mi\u00dfachtung der Abteilung Blumfelds noch deutlicher als durch Verweigerung von Praktikanten durch Gew\u00e4hrung dieser Praktikanten zeigen. Es war sogar m\u00f6glich, da\u00df Ottomar nur deshalb Blumfeld solange vertr\u00f6stet hatte, weil er zwei solche Praktikanten gesucht und sie, was begreiflich war, lange nicht hatte finden k\u00f6nnen. Und beklagen konnte sich jetzt Blumfeld nicht, die Antwort war ja vorauszusehn, er hatte doch zwei Praktikanten bekommen, w\u00e4hrend er nur einen verlangt hatte; so geschickt war alles von Ottomar eingeleitet. Nat\u00fcrlich beklagte sich Blumfeld doch, aber nur weil ihn f\u00f6rmlich seine Notlage dazu dr\u00e4ngte, nicht weil er jetzt noch Abhilfe erhoffte. Er beklagte sich auch nicht nachdr\u00fccklich, sondern nur nebenbei wenn sich eine passende Gelegenheit ergab. Trotzdem verbreitete sich bald unter den \u00fcbelwollenden Kollegen das Ger\u00fccht, jemand habe Ottomar gefragt, ob es denn m\u00f6glich sei, da\u00df sich Blumfeld, der doch jetzt eine so au\u00dferordentliche Beihilfe bekommen habe, noch immer beklage. Darauf habe Ottomar geantwortet, es sei richtig, Blumfeld beklage sich noch immer, aber mit Recht. Er, Ottomar, habe es endlich eingesehn und er beabsichtige Blumfeld nach und nach f\u00fcr jede N\u00e4herin einen Praktikanten also im Ganzen etwa sechzig zuzuteilen. Sollten aber diese noch nicht gen\u00fcgen, werde er noch mehr hinschicken und er werde damit nicht fr\u00fcher aufh\u00f6ren bis das Tollhaus vollkommen sei, welches in der Abteilung Blumfelds schon seit Jahren sich entwickle. Nun war allerdings in dieser Bemerkung die Redeweise Ottomars gut nachgeahmt, er selbst aber, daran zweifelte Blumfeld nicht, war weit davon entfernt sich jemals auch nur in \u00e4hnlicher Weise \u00fcber Blumfeld zu \u00e4u\u00dfern. Das Ganze war eine Erfindung der Faulenzer aus den Bureaux im ersten Stock, Blumfeld gieng dar\u00fcber hinweg, h\u00e4tte er nur auch \u00fcber das Vorhandensein der Praktikanten so ruhig hinweggehn k\u00f6nnen. Die standen aber da und waren nicht mehr wegzubringen. Blasse schwache Kinder. Nach ihren Dokumenten sollten sie das schulfreie Alter schon erreicht haben, in Wirklichkeit konnte man es aber nicht glauben. Ja man h\u00e4tte sie noch nicht einmal einem Lehrer anvertrauen wollen, so deutlich geh\u00f6rten sie noch an die Hand der Mutter. Sie konnten sich noch nicht vern\u00fcnftig bewegen, langes Stehn erm\u00fcdete sie besonders in der ersten Zeit ungemein. Lie\u00df man sie unbeobachtet, so knickten sie in ihrer Schw\u00e4che gleich ein, standen schief und geb\u00fcckt in einem Winkel. Blumfeld suchte ihnen begreiflich zu machen, da\u00df sie sich f\u00fcr das ganze Leben verkr\u00fcppeln werden, wenn sie immer der Bequemlichkeit so nachgeben. Den Praktikanten eine kleine Besorgung aufzutragen, war gewagt, einmal hatte einer etwas nur paar Schritte weit bringen sollen, war \u00fcbereifrig hingelaufen und hatte sich am Pult das Knie wundgeschlagen. Das Zimmer war voll N\u00e4herinnen gewesen, die Pulte voll Ware, aber Blumfeld hatte alles vernachl\u00e4ssigen, den weinenden Praktikanten ins Bureau f\u00fchren und ihm dort einen kleinen Verband machen m\u00fcssen. Aber auch dieser Eifer der Praktikanten war nur \u00e4u\u00dferlich, wie wirkliche Kinder wollten sie sich manchmal auszeichnen, aber noch viel \u00f6fter oder vielmehr fast immer wollten sie die Aufmerksamkeit des Vorgesetzten nur t\u00e4uschen und ihn betr\u00fcgen. Zur Zeit der gr\u00f6\u00dften Arbeit war Blumfeld einmal schwei\u00dftriefend an ihnen vor\u00fcbergejagt und hatte bemerkt wie sie zwischen Warenballen versteckt Marken tauschten. Er h\u00e4tte mit den F\u00e4usten auf ihre K\u00f6pfe niederfahren wollen, f\u00fcr ein solches Verhalten w\u00e4re es die einzig m\u00f6gliche Strafe gewesen, aber es waren Kinder, Blumfeld konnte doch nicht Kinder totschlagen. Und so qu\u00e4lte er sich mit ihnen weiter. Urspr\u00fcnglich hatte er sich vorgestellt, da\u00df die Praktikanten ihn in den unmittelbaren Handreichungen unterst\u00fctzen w\u00fcrden, welche zur Zeit der Warenverteilung so viel Anstrengung und Wachsamkeit erforderten. Er hatte gedacht er w\u00fcrde etwa in der Mitte hinter dem Pult stehn, immer die \u00dcbersicht \u00fcber alles behalten und die Eintragungen besorgen, w\u00e4hrend die Praktikanten nach seinem Befehl hin und her laufen und alles verteilen w\u00fcrden. Er hatte sich vorgestellt, da\u00df seine Beaufsichtigung, die so scharf sie war, f\u00fcr ein solches Gedr\u00e4nge nicht gen\u00fcgen konnte, durch die Aufmerksamkeit der Praktikanten erg\u00e4nzt werden w\u00fcrde und da\u00df diese Praktikanten allm\u00e4hlich Erfahrungen sammeln, nicht in jeder Einzelheit auf seine Befehle angewiesen bleiben und endlich selbst lernen w\u00fcrden, die N\u00e4herinnen, was Warenbedarf und Vertrauensw\u00fcrdigkeit anlangt, von einander zu unterscheiden. An diesen Praktikanten gemessen waren es ganz leere Hoffnungen gewesen, Blumfeld sah bald ein, da\u00df er sie \u00fcberhaupt mit den N\u00e4herinnen nicht reden lassen durfte. Zu manchen N\u00e4herinnen waren sie n\u00e4mlich von allem Anfang gar nicht gegangen, weil sie Abneigung oder Angst vor ihnen gehabt hatten, andern dagegen f\u00fcr welche sie Vorliebe hatten, waren sie oft bis zur T\u00fcr entgegengelaufen. Diesen brachten sie was sie nur w\u00fcnschten, dr\u00fcckten es ihnen, auch wenn die N\u00e4herinnen zur Empfangnahme berechtigt waren, mit einer Art Heimlichkeit in die H\u00e4nde, sammelten in einem leeren Regal f\u00fcr diese Bevorzugten verschiedene Abschnitzel, wertlose Reste aber doch auch noch brauchbare Kleinigkeiten, winkten ihnen damit hinter dem R\u00fccken Blumfelds gl\u00fcckselig schon von weitem zu und bekamen daf\u00fcr Bonbons in den Mund gesteckt. Blumfeld machte diesem Unwesen allerdings bald ein Ende und trieb sie wenn die N\u00e4herinnen kamen, in den Verschlag. Aber noch lange hielten sie das f\u00fcr eine gro\u00dfe Ungerechtigkeit, trotzten, zerbrachen mutwillig die Federn und klopften manchmal ohne da\u00df sie allerdings den Kopf zu heben wagten, laut an die Glasscheiben, um die N\u00e4herinnen auf die schlechte Behandlung aufmerksam zu machen, die sie ihrer Meinung nach von Blumfeld zu erleiden hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Unrecht aber das sie selbst begehn, das k\u00f6nnen sie nicht begreifen. So kommen sie z. B. fast immer zu sp\u00e4t ins Bureau. Blumfeld, ihr Vorgesetzter, der es von fr\u00fchester Jugend an f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehalten hat, da\u00df man wenigstens eine halbe Stunde vor Bureaubeginn erscheint, \u2013 nicht Streberei, nicht \u00fcbertriebenes Pflichtbewu\u00dftsein, nur ein gewisses Gef\u00fchl f\u00fcr Anstand veranla\u00dft ihn dazu \u2013 Blumfeld mu\u00df auf seine Praktikanten meist l\u00e4nger als eine Stunde warten. Die Fr\u00fchst\u00fcckssemmel kauend steht er gew\u00f6hnlich hinter dem Pult im Saal und f\u00fchrt die Rechnungsabschl\u00fcsse in den kleinen B\u00fcchern der N\u00e4herinnen durch. Bald vertieft er sich in die Arbeit und denkt an nichts anderes. Da wird er pl\u00f6tzlich so erschreckt, da\u00df ihm noch ein Weilchen danach die Feder in den H\u00e4nden zittert. Der eine Praktikant ist hereingest\u00fcrmt, es ist als wolle er umfallen, mit einer Hand h\u00e4lt er sich irgendwo fest, mit der anderen dr\u00fcckt er die schwer atmende Brust \u2013 aber das Ganze bedeutet nichts weiter, als da\u00df er wegen seines Zusp\u00e4tkommens eine Entschuldigung vorbringt, die so l\u00e4cherlich ist, da\u00df sie Blumfeld absichtlich \u00fcberh\u00f6rt, denn t\u00e4te er es nicht, m\u00fc\u00dfte er den Jungen verdienter Weise pr\u00fcgeln. So aber sieht er ihn nur ein Weilchen an, zeigt dann mit ausgestreckter Hand auf den Verschlag und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Nun d\u00fcrfte man doch erwarten, da\u00df der Praktikant die G\u00fcte des Vorgesetzten einsieht und zu seinem Standort eilt. Nein, er eilt nicht, er t\u00e4nzelt, er geht auf den Fu\u00dfspitzen, setzt Fu\u00df vor Fu\u00df. Will er seinen Vorgesetzten verlachen? Auch das nicht. Es ist nur wieder diese Mischung von Furcht und Selbstzufriedenheit, gegen die man wehrlos ist. Wie w\u00e4re es denn sonst zu erkl\u00e4ren, da\u00df Blumfeld heute, wo er doch selbst ungew\u00f6hnlich sp\u00e4t ins Bureau gekommen ist, jetzt nach langem Warten \u2013 zum Nachpr\u00fcfen der B\u00fcchlein hat er keine Lust \u2013 durch die Staubwolken die der unvern\u00fcnftige Diener vor ihm mit dem Besen in die H\u00f6he treibt, auf der Gasse die beiden Praktikanten erblickt, wie sie friedlich daherkommen. Sie halten sich fest umschlungen und scheinen einander wichtige Dinge zu erz\u00e4hlen, die aber gewi\u00df mit dem Gesch\u00e4ft h\u00f6chstens in einem unerlaubten Zusammenhange stehn. Je n\u00e4her sie der Glast\u00fcr kommen desto mehr verlangsamen sie ihre Schritte. Endlich erfa\u00dft der eine schon die Klinke, dr\u00fcckt sie aber nicht nieder, noch immer erz\u00e4hlen sie einander, h\u00f6ren zu und lachen. &#8220;\u00d6ffne doch unsern Herren&#8221;, schreit Blumfeld mit erhobenen H\u00e4nden den Diener an. Aber als die Praktikanten eintreten, will Blumfeld nicht mehr zanken, antwortet auf ihren Gru\u00df nicht und geht zu seinem Schreibtisch. Er beginnt zu rechnen, blickt aber manchmal auf, um zu sehn, was die Praktikanten machen. Der eine scheint sehr m\u00fcde, g\u00e4hnt und reibt die Augen; als er seinen \u00dcberrock an den Nagel geh\u00e4ngt hat, ben\u00fctzt er die Gelegenheit und bleibt noch ein wenig an der Wand lehnen, auf der Gasse war er frisch, aber die N\u00e4he der Arbeit macht ihn m\u00fcde. Der andere Praktikant dagegen hat Lust zur Arbeit, aber nur zu mancher. So ist es seit jeher sein Wunsch auskehren zu d\u00fcrfen. Nun ist das aber eine Arbeit, die ihm nicht geb\u00fchrt, das Auskehren steht nur dem Diener zu; an und f\u00fcr sich h\u00e4tte ja Blumfeld nichts dagegen, da\u00df der Praktikant auskehrt, mag der Praktikant auskehren, schlechter als der Diener kann man es nicht machen, wenn aber der Praktikant auskehren will, dann soll er eben fr\u00fcher kommen, ehe der Diener zu kehren beginnt und soll nicht die Zeit dazu verwenden, w\u00e4hrend welcher er ausschlie\u00dflich zu Bureauarbeiten verpflichtet ist. Wenn nun aber schon der Junge jeder vern\u00fcnftigen \u00dcberlegung unzug\u00e4nglich ist, so k\u00f6nnte doch wenigstens der Diener, dieser halbblinde Greis, den der Chef gewi\u00df in keiner andern Abteilung als in der Blumfelds dulden w\u00fcrde und der nur noch von Gottes und des Chefs Gnaden lebt, so k\u00f6nnte doch wenigstens dieser Diener nachgiebig sein und f\u00fcr einen Augenblick den Besen dem Jungen \u00fcberlassen, der doch ungeschickt ist, gleich die Lust am Kehren verlieren und dem Diener mit dem Besen nachlaufen wird, um ihn nur wieder zum Kehren zu bewegen. Nun scheint aber der Diener gerade f\u00fcr das Kehren sich besonders verantwortlich zu f\u00fchlen, man sieht wie er, kaum da\u00df sich ihm der Junge n\u00e4hert, den Besen mit den zitternden H\u00e4nden besser zu fassen sucht, lieber steht er still und l\u00e4\u00dft das Kehren um nur alle Aufmerksamkeit auf den Besitz des Besens richten zu k\u00f6nnen. Der Praktikant bittet nun nicht durch Worte, denn er f\u00fcrchtet doch Blumfeld, welcher scheinbar rechnet, auch w\u00e4ren gew\u00f6hnliche Worte nutzlos, denn der Diener ist nur durch st\u00e4rkstes Schreien zu erreichen. Der Praktikant zupft also zun\u00e4chst den Diener am \u00c4rmel. Der Diener wei\u00df nat\u00fcrlich um was es sich handelt, finster sieht er den Praktikanten an, sch\u00fcttelt den Kopf und zieht den Besen n\u00e4her, bis an die Brust. Nun faltet der Praktikant die H\u00e4nde und bittet. Er hat allerdings keine Hoffnung durch Bitten etwas zu erreichen, das Bitten belustigt ihn nur und deshalb bittet er. Der andere Praktikant begleitet den Vorgang mit leisem Lachen und glaubt offenbar wenn auch unbegreiflicher Weise, da\u00df Blumfeld ihn nicht h\u00f6rt. Auf den Diener macht das Bitten nicht den geringsten Eindruck, er dreht sich um und glaubt jetzt den Besen in Sicherheit wieder gebrauchen zu k\u00f6nnen. Aber der Praktikant ist ihm auf den Fu\u00dfspitzen h\u00fcpfend und die H\u00e4nde flehentlich aneinanderreibend gefolgt und bittet nun von dieser Seite. Diese Wendungen des Dieners und das Nachh\u00fcpfen des Praktikanten wiederholen sich mehrmals. Schlie\u00dflich f\u00fchlt sich der Diener von allen Seiten abgesperrt und merkt, was er bei einer nur ein wenig geringernEinfalt gleich am Anfang h\u00e4tte merken k\u00f6nnen, da\u00df er fr\u00fcher erm\u00fcden wird als der Praktikant. Infolgedessen sucht er fremde Hilfe, droht dem Praktikanten mit dem Finger und zeigt auf Blumfeld bei dem er, wenn der Praktikant nicht abl\u00e4\u00dft, Klage f\u00fchren wird. Der Praktikant erkennt, da\u00df er sich jetzt, wenn er \u00fcberhaupt den Besen bekommen will sehr beeilen mu\u00df. Also greift er frech nach dem Besen. Ein unwillk\u00fcrlicher Aufschrei des andern Praktikanten deutet die kommende Entscheidung an. Zwar rettet noch der Diener diesmal den Besen indem er einen Schritt zur\u00fcckmacht und ihn nachzieht. Aber nun gibt der Praktikant nicht mehr nach, mit offenem Mund und blitzenden Augen springt er vor, der Diener will fl\u00fcchten, aber seine alten Beine schlottern statt zu laufen, der Praktikant rei\u00dft an dem Besen, und wenn er ihn auch nicht erfa\u00dft, so erreicht er doch, da\u00df der Besen f\u00e4llt und damit ist er f\u00fcr den Diener verloren. Scheinbar allerdings auch f\u00fcr den Praktikanten, denn beim Fallen des Besens erstarren zun\u00e4chst alle drei, die Praktikanten und der Diener, denn jetzt mu\u00df Blumfeld alles offenbar werden. Tats\u00e4chlich blickt Blumfeld an seinem Guckfenster auf, als sei er erst jetzt aufmerksam geworden, strenge und pr\u00fcfend fa\u00dft er jeden ins Auge, auch der Besen auf der Erde entgeht ihm nicht. Sei es da\u00df das Schweigen zu lange andauert, sei es da\u00df der schuldige Praktikant die Begierde zu kehren nicht unterdr\u00fccken kann, jedenfalls b\u00fcckt er sich, allerdings sehr vorsichtig, als greife er nach einem Tier und nicht nach dem Besen, nimmt den Besen, streicht mit ihm \u00fcber den Boden, wirft ihn aber sofort erschrocken weg, als Blumfeld aufspringt und aus dem Verschlage tritt. &#8220;Beide an die Arbeit und nicht mehr gemuckst&#8221;, schreit Blumfeld und zeigt mit ausgestreckter Hand den beiden Praktikanten den Weg zu ihren Pulten. Sie folgen gleich, aber nicht etwa besch\u00e4mt mit gesenkten K\u00f6pfen, vielmehr drehn sie sich steif an Blumfeld vor\u00fcber und sehn ihm starr in die Augen, als wollten sie ihn dadurch abhalten sie zu schlagen. Und doch k\u00f6nnten sie durch die Erfahrung gen\u00fcgend dar\u00fcber belehrt sein, da\u00df Blumfeld grunds\u00e4tzlich niemals schl\u00e4gt. 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